Das
Reise-Know-How: Ratschläge, Informationen, Tipps
- Eine liontravel.net-Version
für Sie -

|
"Nachdruck" der
sechsten, vergriffenen Auflage (1989) von "Im VW-Bus
um die Erde"
Das Buch über eine dreijährige Reise um die Welt in den
Jahren 1971-74 - damals noch ein Traum vieler Reise-Fans
- verführte so manchen, es den Autoren gleich zu tun.
Denn sie beschrieben nicht nur die erlebnisreiche Reise,
sondern gaben eine Menge Tipps zum Nachmachen und eine
Bauanleitung zum Nachbauen des Campers. Nach 6 Auflagen
wollten sie das Buch nicht noch einmal herausbringen,
weil es teilweise veraltet war.
Da das Buch sehr gefragt ist und unserer Meinung höchst
interessant ist, hat liontravel.net unter
Genehmigung des Verlages die originalgetreue 6. Auflage -
allerdings nur den Text, und diesen nicht vollständig
ins, wir nennen es hier einfach mal,
"Liontravel.Netz" gestellt.
Das Buch ist im Tondok-Verlag erschienen. Unter www.tondok-verlag.de erhalten Sie
mehr Informationen.
TIPP: Wollen Sie diesen langen Text
nicht online lesen, dann markieren Sie den gesamten Text
und klicken Sie mit der rechten Maustaste auf
"Kopieren" bzw. "Copy" und fügen Sie
diesen dann in ein Textverarbeitungsprogramm Ihrer Wahl
auf Ihrem Computer ein. Liontravel muss Sie allerdings
darauf hinweisen, dass der kopierte Text nur für den
privaten Gebrauch verwendet werden und nicht
weitergegeben werden darf. Damit das Lesen noch
spannender wird, nehmen Sie sich doch einen Atlas zur
Hand. Viel Spaß beim Lesen!
.
.
1.1 Nur Mut
Träume
von Weltreisen bleiben für die meisten Leute Träume,
die sie mit ins Grab nehmen; nur wenige Glückskinder
gewinnen eine Traumreise um die Erde. Dabei leben wir in
einer Wohlstandsepoche, in der sich auch solche Träume
in Realität umsetzen lassen. Es gehört nur ein Bisschen
Mut dazu: Der Mut, sich zu entscheiden und diese
Entscheidung auch durchzuhalten.
Natürlich brauchen Sie ein paar Voraussetzungen, die
neben dem Reisebetriebskapital in Ihrer Persönlichkeit
liegen. Das Fernweh muss so an Ihnen ziehen und zerren,
dass Sie mit Leichtigkeit auf ein "geregeltes
Leben" verzichten können, d.h. auf gewohntes Essen,
gewohnte Umgebung, Fernsehen und Konsum. Sie müssen
bereit sein, einen Teil Ihres Komforts aufzugeben,
Strapazen (gar nicht so große) und Entbehrungen (gar
nicht so viele) in Kauf zu nehmen. Sie müssen bereit
sein, täglich Entscheidungen von manchmal ziemlicher
Tragweite zu treffen, die Ihnen bei den bevormundeten
Gruppen-Reisen durch den Veranstalter abgenommen würden.
Sie müssen gewillt sein, sich selbst mit einem fremden
Land zu beschäftigen, sich selbst in die neue Umwelt
"einzuarbeiten".
Do-it-yourself-Reisen fordern Sie in Ihrer ganzen
Persönlichkeit: Sie werden frei sein, aber auch
vogelfrei. Niemand wird sie schützen. Sie müssen selbst
die Augen offenhalten und sehr häufig die Ohren spitzen,
um Gefahren oder aber Chancen wahrzunehmen. Andererseits
wird Ihnen niemand dreinreden: Ihr Chef, Ihre Kollegen
und wem Sie sonst noch verpflichtet waren, alle bleiben
zu Hause. Fortan bestimmen Sie jeden Tag Ihr eigenes
Leben. Sie werden unabhängig sein.
Doch machen Sie sich nichts vor: Ihre Freiheit ist auch
unterwegs relativ, sie wird von bürokratischen
Vorschriften, von Vorstellungen und Traditionen der
Bevölkerungen des Gastlandes einerseits und von Ihrem
Bankkonto andererseits bestimmt werden. Aber innerhalb
dieser doch sehr weit gesteckten Grenzen werden Sie
Freiheiten erfahren, die Sie im reglementierten Alltag zu
Hause nicht finden können. Es wird auch eine andere Art
von Freiheit sein als die im Urlaub, wo die Zeit kurz und
der Erlebnisdruck hoch ist.
Sie werden Ihre Persönlichkeit entscheidend
weiterentwickeln. Denn es gilt, selbstgesteckte Ziele zu
erreichen, Berge von Schwierigkeiten mit dem Aufbieten
aller Fähigkeiten zu überwinden. Sie werden sich
durchzusetzen haben, aber auch flexibel sein müssen und
Toleranz zu praktizieren haben. Und vielleicht werden Sie
irgendwann die Wertmaßstäbe Ihres Lebens überdenken.
Sie werden Muße finden, ein fremdes Land von jeder
Sinnesempfindung her anzugehen: Sie werden den Wind der
Wüste auf Ihrer Haut spüren, die vollkommene Stille
einer Wüstennacht wird sich Ihrem Körper mitteilen. In
den Tropen wird Sie der gewaltige Ansturm von Leben, die
totale Fruchtbarkeit der gesamten Umgebung
überwältigen, ungeahnte Düfte werden Sie betören. Sie
können die Wirklichkeit von Orchideen oder von
Marmor-Blumen eines Tempels mit ihren Händen erfassen.
Diese Eindrücke werden Sie in den natürlichen und
ursprünglichen Dimensionen erleben - und nicht
eingequetscht in ein Fernsehbild oder in das Format eines
Buches. Die Schönheit der Erde ist mit keinem der
vorhandenen Medienmittel auch nur annähernd
wiederzugeben. Deshalb gilt für den, der wirklich wissen
will, wie die Erde ist: Er muss sie Stein für Stein
selbst erobern.
1.2 Gehen Sie
doch gleich auf Weltreise
Viele
Leute beschäftigen sich jahrelang mit Weltreise-Ideen -
und kommen nie vom Fleck. Andere entschließen sich ganz
spontan, packen den Rucksack oder kaufen ein Auto und
fahren ab. Wir sind Anhänger spontaner Entschlüsse,
haben aber trotzdem über 2 Jahre für Planung und
Vorbereitung unserer Weltreise investiert - und das
zahlte sich aus. Wir hatten ein Ziel, für das es lohnte,
Geld zu sparen und es blieb genug Zeit, um Pläne zu
schmieden, Bücher durchzuarbeiten und, nicht zuletzt,
das Auto auszubauen.
Wenn Sie mit der Idee spielen, länger oder ganz lange
auf Reisen zu gehen, dann sollten Sie in den
Entscheidungsprozess eine wichtige Überlegung
miteinbeziehen. Je länger der Trip dauert, umso billiger
wird relativ der Reise-Tag oder der -Kilometer. Es lohnt
sich kaum, für eine halbjährige Reise eine Wohnung
aufzugeben, Möbel zu verkaufen und alle möglichen
anderen Verpflichtungen wie Versicherungen etc. zu
kündigen oder einzustellen.
Bei längeren Reise-Zeiten verringert eine aufgelöste
Wohnung die Probleme zu Hause, verkaufte Möbel oder gar
der Erlös für ein Haus stärken den Reise-Etat. Das
Argument, man müsste nach der Rückkehr neue Möbel
anschaffen, zählt kaum. Nach zwei oder drei
Globetrotter- Jahren hat man sich so verändert, dass man
das Zeug aus dem vorigen Leben ohnehin aus dem Fenster
werfen würde.
Wenn Sie sich entscheiden, einen guten Job zu kündigen
und eine Reihe täglicher Verpflichtungen zumindest auf
Eis zu legen, dann sollten Sie es konsequent tun und
gleich eine Reise planen, die Sie jahrelang in Bewegung
hält. Das ist die optimale und auch letztlich die
wirtschaftlichste Lösung des Problems.
Allerdings setzt diese Entscheidung voraus, dass sich
alle Beteiligten über die Konsequenzen einigermaßen
sicher sind. Dass sie das Reisen nicht schon nach den
ersten Strapazen satt haben, dass die Partner miteinander
auskommen und dass - last but not least - das nötige
Betriebskapital vorhanden ist. Auch sollten Sie
wenigstens einige Erfahrungen beim Reisen auf eigene
Faust gesammelt haben, damit Sie nicht nachher böse
Überraschungen erleben.
Auch Globetrotter teilen die Welt in
Interessensgebiete auf. Es gibt Afrika-Fans, die andere
Erdteile unbeachtet lassen. Bergsteiger schwärmen vom
Himalaya oder von den Anden, Kulturbeflissene finden in
Indien weit mehr Ziele als im flächengleichen Brasilien.
Häufig werden wir gefragt, welches Land uns am besten
gefallen habe. Wir wollen und können darauf keine
zielsichere Antwort geben. Denn in jeder Gegend dieser
Erde findet man etwas Interessantes, Reizvolles; und wenn
uns morgen ein wohlgesonnener Mäzen sagen würde:
"Hier ist ein Scheck, fahrt hin, wo immer es euch
gefällt" - wir würden alle Länder wieder
besuchen, die wir schon kennen, und wenn der Scheck
reicht, mit Sicherheit auch all die unbekannten.
Ganz frei von Wunsch-Zielen sind wir allerdings auch
nicht. Unser Gefühlskompass weist eindeutig nach Osten,
der indische Subkontinent zieht uns magisch an. Daher
wollen wir auch diesen Überblick mit der Reise nach
Osten beginnen.
2.1 Asien
Europa
ist uns allen sattsam bekannt, der Übergang von unserer
nüchtern-kühlen Gefühlswelt in die menschlich sehr
viel beziehungsreichere Welt des Orient vollzieht sich
ziemlich rasch. Hat man das von Polizei wimmelnde
Bulgarien hinter sich, tauchen in der europäischen
Türkei bald die ersten Moscheen mit ihren spitzen
Minaretts auf, Frauen in Pluderhosen folgen gehorsam dem
Familienvater, der beinebaumelnd auf dem Esel
voranreitet. Haut- und blechnahes Gedränge in Istanbul,
das als Konstantinopel jahrhundertelang einen großen
Teil der Welt beherrschte.
Der Einfluss des Islam ist nicht mehr zu übersehen.
Fünfmal täglich erschallt der Ruf zum Gebet, die
Moscheen dienen vor allem Männern zum Beten, Meditieren
- und zu sehr alltäglichen Gesprächen. Die im Koran
festgeschriebenen Gesetze, Ansichten, Meinungen und
Auslegungen bestimmen das tägliche Leben. In der Türkei
nicht ganz so streng wie im Iran, der zur Zeit das
orthodox-fanatische Land schlechthin ist. Beim Abstecher
nach Süden, auf die saudiarabische Halbinsel, herrschen
zumindest nach außen hin ähnliche Vorstellungen und
Gesetze, aber hinter den hohen Mauern der Höfe
arrangiert man sich eher zwischen westlicher Dekadenz und
orthodoxer Strenge.
Wer einmal in Saudi-Arabien zur Pilgerzeit, während der
Hadj, unterwegs war und die Massen aus der gesamten
islamischen Welt auf dem Zug bzw. Flug nach Mekka
erlebte, kann vielleicht eher die Klammer dieser strengen
monotheistischen Relgion verstehen, die so
unterschiedliche Temperamente wie die saudischen
Wüstensöhne und die in den satten Tropen gemütlich
dahinlebenden Malayen zusammenhält. Und wenn man mit
einem Hadji spricht und sich über das Erlebnis der
unendlichen Gemeinschaft beim Pilgerzug um die Kaaba in
Mekka, bei der das Individuum völlig in der Masse der
Gläubigen aufgeht, berichten lässt, dann versteht man
ein wenig mehr von der Anziehungskraft, die diese strenge
Relgion ausübt.
Der Monotheismus entstammt der Wüste, sei es Islam,
Judentum oder Christentum. Die Geburtsstätten liegen eng
beieinander. Und Wüste oder Steppe ist auch der
pauschale Eindruck, der sich bereits in der europäischen
Türkei einzustellen beginnt. Je weiter östlich man in
der Türkei vordringt, umso mehr nimmt die Farbe Grün
ab. Bereits in der Gegend um Ankara breiten sich Steppen
von Horizont zu Horizont aus, später in Anatolien sind
nackte, wüstenhafte Gebirgsstöcke zu durchqueren. Im
Iran folgen dann echte Wüstenabschnitte und weiter im
Ostiran,auf dem Weg nach Mashad werden die Entfernungen
zwischen den Orten schon so weit, dass man eher von
Oasenflecken sprechen kann.
Früher - in den "seligen" siebziger Jahren -
folgte der Höhepunkt Zentralasiens: Afghanistan. Wir
haben dieses Land fünf Mal besucht - und es war
zwanzigmal zu wenig. Damals traf der Besucher auf stolze,
selbstbewußte Menschen, die aber von einer so einfachen,
aufrichtigen Herzlichkeit waren, dass man sich im
wirklichen Sinn willkommen fühlte. Diese Leute bezwangen
täglich aufs Neue eine garstige Umwelt: Als Nomaden
mussten sie jedem der weit auseinanderstehenden
Kameldornbüsche hinterher wandern, als Bauern Pflanze
für Pflanze der Wüste abtrotzen. Diese Umwelt gehört
zu einer wilden, bizarren Landschaft; der Hindukusch als
Rückgrat des Landes ist ebenso herrisch-unnahbar wie die
Bewohner stolz sind.
Schließlich erklimmt man den Khyberpass und fährt
hinunter in das Industal. Die Vegetation ändert sich
fast schlagartig: üppige Gärten und Felder verwirren
das Auge mit ungewohntem Grün. Auch die Menschen sind
anders: Hier in Pakistan leben zwar auch sehr orthodoxe
Muslime, aber die subtropische Vegetation und die viele
Generationen zurückliegende hinduistische Vergangenheit
haben einen weicheren, weniger geradlinigen
Menschenschlag hervorgebracht. Das zentrale Pakistan ist
menschlich anders als Afghanistan, aber auch
landschaftlich nicht sonderlich berauschend, sofern man
die Gebiete des Karakorum ausnimmt, dort besitzt Pakistan
mit dem Nanga Parbat einen der höchsten Berge der Erde.
Diese Zeilen sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass
Afghanistan derzeit nicht zugänglich ist, und dass
Pakistan per Straße nur auf dem direkten Landweg im Iran
auf der Linie Shiraz/Quetta erreicht werden kann.
Weiterhin muss auf die Schwierigkeiten beim
Grenzübergang Pakistan/Indien hingewiesen werden, der
nur dann geöffnet ist, wenn das politische Klima
zwischen den Nachbarstaaten und/oder im Grenzbereich
stimmt; die Sikh-Unruhen im Pundjab führten z.B. zu
langen Grenzschließungen.
Ein weiterer Bruch findet beim Grenzübertritt nach
Indien statt. Die erste Stadt heißt Amritsar, in der
früher (vor Ende der 70er Jahre) die Sikh friedlich
neben den Hindus lebten. Ein Tag oder besser Abend im
Goldenen Tempel von Amritsar führt den Besucher in eine
neue Welt: Hier geht es nicht mehr um einen
eifersüchtig- strengen monotheistischen Gott, sondern um
Heilige des Sikh- Glaubens. Priester rezitieren, von
Harmoniumspiel begleitet, aus dem Heiligen Buch der Sikh,
Räucherstäbchen und Blumenketten verströmen
betörenden Duft, die goldene Kuppel des Tempels spiegelt
sich eitel im Wasserbecken, das den Sikhs für ihre
riutellen Waschungen dient.
So wie sich der Charakter der Vegetation nach Verlassen
der Wüstengebiete änderte, so passt auch die
dominierende Religion des Subkontinents, der Hinduismus,
in diese üppige Umgebung: dem einen Gott der
Monotheisten steht eine Vielzahl von Göttern (über 200
Millionen) der Hindus entgegen. Es ist der Unterschied
zwischen Wüste und Tropen - hier die einzelne Pflanze,
dort die verschlungene Vielfalt von Grün. So ist auch
das Leben der Hindus von dem Mystizismus ihrer Religion
geprägt. Das beginnt bei dem immer noch existierenden
Kastensystem und dem geduldigen Ertragen einer per Geburt
vorgegebenen Sozialposition, wird bei den täglichen
rituellen Waschungen sichtbar oder den Pilgerfahrten zu
den heiligen Städten. Immer trifft man auf Menschen, die
in inniger Frömmigkeit ihrem Glauben verbunden sind;
Erlebnisse wie die Pilgerströme in Varanasi (Benares)
oder der von Musikanten begleitete Ausflug der
Götterstatue eines Dorftempels zeichnen eine so andere,
so entfernte Welt zu unserem Rationalismus. Als ein
Wesensfremder begreift man sie nie so richtig, erwischt
sich aber häufig bei dem Wunsch, in sie versinken zu
wollen.
Indien fesselt den Besucher vom ersten Augenblick an: Die
Luft ist schwer vom Duft der Blüten, Vogelschwärme
zwitschern in den Bäumen, Wasserbüffel suhlen sich in
Tümpeln und Flüssen. Die Menschen - auf jeder
Dorfstraße wimmelt es von Unzähligen - sind bunt in
vielen unterschiedlichen Trachten gekleidet; bei den
Frauen dominieren die so kleidsamen Saris in allen
denkbaren Farben, viele Männer wickeln sich Turbane um
den Kopf und tragen luftige, flatternde Gewänder.
Der indische Subkontinent steckt aber auch voller
Widersprüche. Hier der Hinduismus mit seinen fabelhaften
Götterfiguren, die sich lieben, hassen, bekämpfen -
nicht anders als die Menschen auch. Dort der strenge
islamische Gott, der täglich von der Moschee verkünden
lässt, er sei der Größte und Einzige. Hier die dem
Hindu heilige Kuh, nebenan der Moslem, dem die heilige
Kuh nichts anderes ist als ein Stück Fleisch, das
gebraten am Besten schmeckt. Der nicht vegetarisch
lebende Hindu hält sich Schweine, die gebraten auch
nicht gerade schlecht munden - das wiederum ist dem
Muslim unvorstellbar und Sünde ausserdem. Konflikt liegt
also fast minütlich in der Luft.
Nepal, der nördliche Himalaya-Nachbar Indiens, kennt
diese Probleme kaum, denn hier ist der Hinduismus
Staatsrelegion, daneben zeigt der Buddhismus in seiner
von Tibet kommenden Form des Lamaismus mit einigen
großen Stupas und Mönchsgemeinschaften seine fest
verankerte Existenz. Dieses kleine Land mitten im
höchsten Gebirge der Erde ist so sympathisch von seinen
liebenswerten Menschen her und, natürlich, von der
imposanten Kulisse der zum Greifen naheliegenden
Achttausender.
Der Subkontinent Indien als Reiseziel ist in erster Linie
ein Lehrstück in Sachen des menschlichen Miteinander und
der so anderen Lebensphilosophie und Überlebenskunst.
Hier begegnet man wirklich anderen Gedanken über das
Diesseits und Jenseits, hier muss man verweilen und
versuchen, in eine ganz andere Vorstellungswelt
einzudringen. Andererseits bietet Indien aber auch die
prächtigsten Bauwerke - besonders im Norden aus der
islamischen Mogul-Zeit -, im Süden riesige, dorfgroße
Hindu-Tempelanlagen. Von der Landschaft her liegen die
großen Attraktionen im Himalaya, aber auch die
palmengesäumten Strände der Halbinsel sind nicht zu
verachten, wobei das Traveller-Bade-Paradies die
ehemalige protugisische Kolonie Goa ist.
Indien ist das Geburtsland des Buddhismus, der aber hier
nicht überlebte, sondern vom Hinduismus aufgesogen
wurde. Die heute typisch buddhistischen Länder liegen
(ausser Sri Lanka) weiter östlich. Burma, Thailand,
Kambodscha und Laos waren noch vor wenigen Jahren die
buddhistischen Hochburgen, derzeit sind nur Thailand und
das etwas verschlossene (zumindest in der
Aufenthaltszeit) Burma zugänglich.
Reisen in Thailand ist das Eintauchen in sanfte, ewig
fruchtbare Landschaften, das Umgebensein von sanften (und
nicht weniger fruchtbaren) Menschen. Dazu goldglänzende
Tempel, Klöster und Stupas fast in jedem Dorf. Thailand
und dann mehr noch die malayische Halbinsel liegen in
tropischen Klimazonen, die Vegetation beweist es auf
Schritt und Tritt. Besonders in Malaysia säumen
Gummibaumplantagen die Straßen, erlebt der Reisende in
jedem Augenblick, welche Üppigkeit Sonne und Regen
hervorzubringen vermögen.
Ungewohnte Üppigkeit im wirtschaftlichen Sinn bietet der
Inselstaat Singapur mit seinen sauberen Straßen und den
leider etwas steril wirkenden Chinesenvierteln. Nicht
anders, aber bei weitem nicht so sauber ist die zweite
südöstliche Handelsmetropole Hongkong, phantastisch
gelegen und ein Lehrbeispiel für die Kunst, auf engstem
Raum zu überleben. Und schließlich nicht viel anders
Taiwan, die so schöne, übervölkerte Insel von
landschaftlich großartigem Reiz.
Mit Hongkong und Taiwan haben wir den großen, von den
Chinesen beeinflußten Kulturraum betreten. Emsigkeit und
Fleiß ist der Eindruck, den die Menschenmassen in China
hinterlassen.
Die Ameisenstraßen von Radfahrern in Peking wirken auf
den Neuankömmling schon fast alptraumhaft. Aber bald
wird man in das reiche und alte kulturelle Erbe der
Chinesen hineingezogen: Die riesige Verbotene Stadt mit
ihren Palästen und Tempeln ist eins der dominierenden
Bauwerke von großartiger architektonischer Schönheit.
Die Große Mauer, nur 80 km von Peking entfernt, ist
wiederum ein Zeichen für den Bienenfleiß der Menschen.
China ist ein so ausgedehntes Land, dass man eigentlich
Jahre dort zubringen müßte, um es voll zu erfassen.
Seit der Öffnung auch für Einzelreisende strömen
Heerscharen ins Reich der Mitte. Und jeder, der einmal
hineingeschmeckt hat, möchte wiederkommen und mehr sehen
und erleben.
Wer Indien sah und dann durch das disziplinierte,
verhältnismäßig saubere China reist, kann häufig
genug den Unterschied zwischen den beiden Nachbarn nicht
fassen. Dort wimmeln um jede Frau Kinderscharen, hier die
gesetzlich gebotene Einkindehe. Die Chinesen, nüchterner
und systematischer veranlagt, bauten innerhalb weniger
Jahre aus dem Chaos ein funktionierendes Gemeinwesen auf.
Die Inder - aber dies ist nicht der Platz für dererlei
Betrachtungen.
Korea hat in seiner leidgeprüften Geschichte häufig
genug als Puffer zwischen Japan und China gedient und ist
daher von beiden Kulturen beeinflusst. Allerdings wird
für den Außenstehenden der Unterschied nicht so
deutlich; denn gerade der Buddhismus, der dem gesamten
ostasiatischen Raum entscheidende Impulse gab, zieht sich
über alle diese Länder hin, wenn auch in der stark
abgewandelten Form des "Großen Wagens".
Japan, am weitesten vom Entstehungsortdes Buddhismus
entfernt, huldigt ihm dennoch, aber gleichermaßen der
Naturreligion des Shintoismus. Ihm sind Tempel zu
verdanken, die in vollendeter Harmonie mit der sie
umgebenden Natur stehen. Japan ist eins der
irrationalsten Länder überhaupt: Da kommt der
Topmanager hastig in den Shintoschrein gerannt und
richtet schnell ein paar Gebete an eine heilige Wurzel -
anschließend fällt er mit kühler Rationalität
Entscheidungen über die weltweite Marktstrategie eines
neuen Computers. Die Japaner haben offenbar das
Kunststück fertiggebracht, alte Traditionen neben
modernsten Technologien bestehen zu lassen - ein
hochinteressantes (und sehr teures) Reiseland, allerdings
irgendwo zu perfekt, um die Faszination z.B. Indiens
ausüben zu können.
Auch die beiden anderen großen Inselstaaten, Indonesien
und Philippinen, üben große Faszination aus, sowohl von
der Landschaft als auch von den gesellschaftlichen
Strukturen der Bewohner. Nicht unerwähnt sollte Bali als
eine Ausnahme-Insel im indonesischen Insel-Reigen
bleiben. Die Touristenmassen scheinen der von der
Relegion her hinduistischen Insel viel von ihrem
vielgerühmten Charme genommen zu haben. Wer den Kommerz
scheut, wird Enttäuschungen selbst in abgelegeneren
Gebieten erleben.
2.2 Australien
Was
gibt es schon Interessantes in Australien und Neuseeland,
könnte man etwas arrogant fragen. Zweifellos reizt diese
Gegend der Welt nicht gerade durch fremde Kultur -
vielleicht eher dadurch, dass dort Biertrinken vor Kultur
und Religion in der Rangliste steht. Trotzdem würden wir
gern wieder in Australien und noch viel lieber in
Neuseeland herumreisen. Australien besticht durch seine
weite Leere. Nur 16 Millionen Menschen leben auf einem
ganzen, wenn auch kleinen Kontinent. Riesige Entfernungen
liegen manchmal zwischen den Siedlungen, es dauert
Stunden, bis man mal wieder einen Menschen trifft, es
kann Tage dauern, bis sich der Landschaftscharakter
ändert.
Australien ist ein Land von seltener Uniformität: Der
überwiegende Teil des Landes ist flach, Buschland,
Steppe oder zum geringeren Teil Wüste; tagelang keine
neuen Eindrücke beim Reisen. Fast in der Mitte des
Kontinents liegt als eine der seltenen Abwechslungen ein
einsamer, riesiger Felsen namens Ayers Rock im flachen
Land herum, der den Ureinwohnern - Aboriginals - heilig
und der Tourismus-Industrie sehr willkommen ist. Die
Aboriginals sind einsame Menschen in ihrem eigenen Land,
von den Weißen verachtet und unverstanden, in die
letzten Winkel zurückgedrängt.
Nur an der Ostküste Australiens türmen sich ein paar
Gebirsgzüge auf, aber kaum berauschend in Anblick und
Erlebnis. Uniformität gilt sogar auch als Prinzip der
Architektur: besonders auf dem Land und in den endlosen
Vorstädten gleicht stereotyp ein Haus dem anderen.
Völlig einsamer Höhepunkt ist dagegen das Opernhaus in
Sidney, das wir als das großartigste Gebäude moderner
Architektur beurteilen. Außer der großen Uniformität,
die in eine Art landschaftliche Melancholie einfließen
kann, bietet dieses Land dem Sportbegeisterten jede nur
denkbare Möglichkeit zwischen Golf, Hochseefischen,
Segeln und Surfen.
Eine großartige, phantastische und noch dazu
dünnbesiedelte Landschaft erwartet dagegen den Besucher
in Neuseeland. Kristallklare Seen und Flüsse, aus denen
man trinken kann, begleiten den Wanderer auf all seinen
Wegen. Spektakuläre, alpine Landschaften mit Gletschern,
engen Schluchten und grünen Tälern bietet die
Südinsel, vom Eindruck her lieblicher ist die Nordinsel.
Auf Neuseeland sollte man viel wandern, jedenfalls der
Natur so nahe wie möglich sein.
2.3
Lateinamerika
Zwischen
Australien und den Amerikas liegt Polynesien, das riesige
Pazifikgebiet mit stecknadelkopfgroßen Punkten, die sich
bei näherem Betrachten als Inseln oder kleine Atolle
erweisen. Diese Gegend der Welt muß ihren ganz eigenen
Reiz haben - wir kennen ihn leider nicht.
Lateinamerika haben die Spanier und Portugiesen
kolonisiert und zerstört. In Südamerika zerschlugen sie
die blühende, sehr hoch stehende Kultur der Inkas, in
Mexico/Guatemala die der Azteken und Mayas. Sie leisteten
ganze Arbeit, von der Kultur der Ureinwohnern blieb nicht
viel übrig.
Doch verweilen wir noch in Südamerika. Für den Besucher
am interessantesten ist zweifelsohne Peru, das Stammland
der Inka. In den Museen von Lima kann man bestaunen,
welchen Stand der Inkastaat erreicht hatte. Aber auch in
Cusco sieht man noch Spuren der Inka- Architektur, oder
vielmehr das, was christliche Fanatiker davon übrig
ließen. Weitgehend erhalten ist die ehemalige,
landschaftlich ungeheuer beeindruckend gelegene
Inkafestung Machu Picchu, ein paar Eisenbahn-Stunden von
Cusco entfernt.
Hier im Hochandengebiet leben die Nachfahren der Inka -
fast wie vor Jahrhunderten. Die Bauern, die Campesinos,
schuften mit stoischer Gelassenheit Tag und Nacht, um
sich meist gerade eben am Leben erhalten zu können. Sie
sehen auf den ersten Blick etwas verschlossen und
abweisend aus, diese eigentlichen Besitzer Südamerikas.
Aber wenn man mit ihnen nähere Bekanntschaft schließt,
erfährt man sehr viel menschliche Wärme und
Herzlichkeit. Uns ist die Aufnahme gerade in abgelegenen
Dörfern unvergeßlich geblieben. Doch sollte man
heutzutage abgelegene Dörfer meiden, denn die
Guerilla-Truppe "Leuchtender Pfad" stürzt das
Land mehr und mehr ins Chaos, so ist besonders das
Hochandengebiet mit großer Vorsicht zu betrachten.
Die Wirbelsäule Südamerikas sind die Anden, oder
eigentlich sind sie Südamerika, denn alles Flachland an
ihren Seiten scheint von ihnen abgeschwemmt worden zu
sein. Und die Reise durch die schier unaufhörlichen
Anden zählt zu einem der großartigsten
Landschaftserlebnisse der Erde: von Höhen zwischen 4000
und 6000 m scheinen sie im Westen geradezu ins Meer zu
stürzen, von einer Küsten-Wüstenebene gesäumt, die
sich vom nördlichen Peru bis in mittlere Chile zieht.
Reisende auf dem Hochplateau der Anden in Bolivien und
Zentralperu erleben bei klarem Wetter berauschende
Ausblicke. Schneebedeckte Riesen säumen im Westen und in
Osten das sog. Altiplano, glasklare Seen - deren
größter der Titicaca ist - liegen zwischen den
Gebirgsstöcken.
Auf der Ostseite fallen die Anden nicht weniger steil ab
in die Ebenen - Pampas - Argentiniens und Brasiliens. Von
der präkolumbianischen Bevölkerung (sofern diese
Gebiete überhaupt besiedelt waren) ist nicht mehr viel
zu bemerken, die Nachfahren der Südeuropäer geben hier
eindeutig den Ton an, gut vermischt mit deutsch.
Argentinien besitzt im Andengebiet einige großartige
Naturwunder. Ansonsten ist das Land geschaffen für
Riesenfarmen, die den Weltmarkt mit Steaks beliefern.
Buenos Aires könnte fast in Italien liegen, so sehr
bestimmen die Nachfahren der Italiener das Flair dieser
Stadt. Ganz anders sieht die faszinierendste Stadt
Südamerikas, Rio de Janeiro, aus. An herrlichen
Badestränden gelegen und von steil abfallenden,
subtropisch überwucherten Berghängen gesäumt, ist
diese Stadt ein brodelnder Hexenkessel vitalen Lebens.
Hier haben sich alle Rassen vermischt, von
Schwarzafrikanern bis zu dünnhäutigen Nordeuropäern.
Herausgekommen sind Leute, deren Temperament im Karneval
vollends sichtbar wird.
Brasilien zählt von der Fläche her zu den größten
Ländern der Erde. Im Norden werden die ausgedehntesten
Regenwaldgebiete der Erde unaufhörlich dezimiert, der
Amazonas ist ihre große Lebensader. Das Quellgebiet
dieses riesigen Flusses liegt in Ecuador, einem fast
gemütlichen kleinen Land auf dem Äquator mit der
hübschen Hauptstadt Quito im Hochandengebiet. Es folgt
nach Norden Kolumbien, ein traumhaftes Land, von dem der
größte Teil im hier schon etwas niedrigeren
Andenbereich liegt. Die Berge sind häufig bis zum Gipfel
hinauf grün und als Farmland genutzt, dennoch windet
sich die durch den Kontinent ziehende Straße
Transamericana auf 2000 bis 3000 m hinauf, um sich nur
wenig später wieder ins nächste Tal auf fast
Meereshöhe hinunterzuschrauben.
Venezuela ist durch seinen Ölreichtum wirtschaftlich
besser gestellt als Kolumbien, auch landschaftlich seinem
Nachbarn ziemlich verwandt, dennoch bleibt Kolumbien
einzigartig, da landschaftlich so reichhaltig in diesem
Kontinent. Kolumbien hat von der Wüste bis zum fast
Schneesechstausender einfach alles. Die Guayna-Staaten
liegen etwas außerhalb der üblichen
Globetrotter-Routen, sie sind von tropischem Regenwald
überwuchert und relativ wenig erschlossen. Anders steht
es mit der Kette der Karibik-Inseln, von denen einige
zumindest Badetouristik- Schwerpunkte bilden.
Vielleicht an dieser Stelle ein Tipp: In Venezulea soll
man als Ausländer ohne dortigen Wohnsitz ein Fahrzeug
kaufen und zulassen können, man spart dann die teure
Verschiffung.
Auch die zentralamerikanischen Staaten hängen an der
Fortsetzung der Andenkette. Auf den meist recht hohen
Gebirgszügen siedelten bevorzugt die europäischen
Kolonisatoren und errichteten auch die Hauptstädte dort.
Alle diese Länder sind landschaftlich sehr reizvoll. Am
schönsten empfanden wir Costa Rica, aber auch die
anderen Staaten stehen diesem Eindruck kaum nach. In
Guatemala stößt man auf präkolumbianische Kultur; die
aus ihrem Dornröschenschlaf mittem im Dschungel
erweckten Ruinen von Tikal sind sehr eindrucksvoll.
Von dort ist es nur ein Katzensprung zur mexikanischen
Halbinsel Yucatan. Glasklares, tiefblaues Meer säumt die
südöstliche Küste, kein Wunder, daß Touristen in
Scharen hier einfallen. Aber Yukatan war auch die
Hochburg der Maya, die hier bestaunenswerte Tempelanlagen
hinterließen, z. B. Chizen-Itza, Uxmal u.a. Das zentrale
Hochland von Mexiko, einstmals von den kriegerischen
Azteken beherrscht, hat schon arg steppenartigen
Charakter, zumindest ist von tropischem Überfluss nichts
mehr zu spüren. Mexico City ist eine ungeheuer
pulsierende Stadt, eine der schillerndsten
Lateinamerikas. Die Vergangenheit der indianischen
Bevölkerung konnte nicht vollends ausgelöscht werden,
in der modernen Kunst wird sie zumindest wieder wach.
Diese Stadt muss man eine Weile erleben, muss sich aber
auch mit dem tragischen Niedergang des Aztekenreiches
auseinandersetzen und darf dabei die historischen
Hinterlassenschaften in und um Mexico City nicht
auslassen.
2.4 Nordamerika
USA
und Kanada zählen zu den stinknormalen Reiseländern, da
gibt es kaum Überraschungen mit Verkehrsverbindungen,
keine uns fremde Kultur etc. Was also könnte uns in die
Hochburg des Kapitalismus locken? Vielleicht gerade das:
z.B. Wolkenkratzerstädte wie New York, Chicago oder Los
Angeles; Disneyland und Raketen-Bahnhof, endlose Highways
durch endloses Farmgelände.
Die Amerikaner selbst sind hilfsbereit und zu einer
schnellen Freundschaft oder gar Gastfreundschaft
aufgelegt. Für den Traveller ist das Vorwärtskommen
problemlos, sei es mit Billigangeboten der vielen
Airlines oder per Bus (Greyhound fährt fast überall
hin) oder mit billigen Mietwagen. Beliebt sind auch
Secondhand-Autos, die man am Ende der Reise wieder
abstößt.
In den Rocky Mountains liegen die phantastischen,
wirklich spektakulären National-Parks wie Grand Canyon,
Monument Valley, Death Valley, Yosemity und wie sie alle
heißen. Nicht zu vergessen der Yellowstone Park, den die
Amerikaner bereits im vorigen Jahrhundert zum
Nationalpark erklärten und dabei die Idee der vor dem
Menschen geschützten Natur erfanden. Diese Parks hegen
und pflegen sie mit einer Liebe und Sorgfalt, wie sie bei
uns in Europa kaum anzutreffen ist.
Wer Landschaft in ihrer grandiosen, überwältigenden
Form erleben will, der muß diese Gegend besuchen. Das
Angenehme daran ist, dass jede der Naturschönheiten so
erschlossen wurde, dass sie selbst dem Fußkrüppel
leicht zugänglich ist - in anderen Gegenden der Welt
muss man tagelang trecken, hier kann man mit dem Auto bis
an den Rand des Grand Canyon fahren.
Landschaftlich ebenfalls sehr schön sind Kanada und auch
Alaska. Außer der Umgebung der Niagara Fälle kennen wir
von Kanada nichts und können nicht mitreden. Aber noch
ein Wort zu Niagara: das ist ein Platz, an dem bereits
frühzeitig jeder einzelne Wasserstrahl, ja Tropfen
touristisch genutzt und kommerzialisiert wurde - dieses
Schauspiel ist neben dem des gewaltigen Wasserfalls
betrachtenswert.
Zum Schluss dieses Kapitels ein paar Worte über New
York. Wir hatten das Glück, ein Vierteljahr in dieser
irren Stadt zu leben. Und wenn wir die Gelegenheit
hätten, wir würden sofort wieder und für länger
dorthin gehen. Warum? Es gibt wohl kaum eine Stelle auf
der Erde, auf der sich so viele Rassen auf so engem Raum
zusammendrängen und zum Teil auch vermischt haben. Daher
rührt eine ungeheure Toleranz dem Anders-Aussehenden,
dem Anders-Denkenden gegenüber. Nirgendwo sonst könnten
so gegensätzliche Strömungen nebeneinander existieren,
sei es in der Kunst, Kultur oder im täglichen Leben. New
York wird nie müde, irgendwo ist immer etwas los, NY
regeneriert sich unentwegt selbst - ein irrer Platz,
unter anderem auch für Irre.
2.5 Afrika
Betrachten
wir Afrika von Nord nach Süd: eine schmale Randzone am
Mittelmeer ist seit alters her besiedelt, das ägyptische
Niltal zählt zu den ältesten Kulturräumen der
Menschheit. Dann folgt der große Riegel der Sahara und
der Süden gehört den Schwarzafrikanern, die aus den
Tropen entwachsen zu sein scheinen und von ihrer ganzen
Mentalität her für diese Gegend geschaffen sind.
Westafrika besteht größtenteils aus der trockenen
Steppenlandschaft des Sahel und ist erst dicht am
Atlantik fruchtbar. Der wirklich tropische Einfluss
bricht in Ostafrika voll durch und läuft allmählich
nach Süden aus. Dies sind die Gebiete der großen
Wildparks, die weltweit nicht ihresgleichen haben.
Südafrika schließlich ist landschaftlich sehr schön
und schlägt sich mit seinen hausgemachten politischen
Problemen herum.
An Afrika hat uns zweierlei ungeheuer fasziniert: die
Durchquerung der größten Wüstenfläche der Erde und
das plötzliche Eindringen in scheinbaren Überfluss der
Natur im subtropischen Bereich. Dieser Wechsel vom
völligen Nichts ins totale Alles kam - obwohl sich über
hunderte Kilometer hinziehend - so überraschend, dass er
lange nicht so recht fassbar war.
Das zweite großartige Erlebnis waren die Menschen. Und
zwar dort, wo sie noch in ihrer althergebrachten
Lebensgemeinschaft des kleinen Dorfes oder Krals leben,
dort sind die Schwarzafrikaner fröhlich, freundlich,
herzlich, offenherzig wie unverdorbene Kinder. Sie leben
um des Erlebnisses Leben willen. Ihre täglichen Arbeiten
verrichten sie eher locker und fröhlich, nicht so sehr
mit dem verbissenen Ernst rationaler Erwägungen.
Bestimmend ist eher die emotionale Triebkraft, nicht so
sehr nüchtern-rationales Kalkül. Wir haben weltweit
nicht annähernd so einfach-glückliche, so
unkomplizierte Menschen getroffen wie in
schwarzafrikanischen Dörfern. Doch soll diese
Schilderung einer, noch ein wenig heilen Welt nicht
darüber hinwegtäuschen, dass in den Ballungsgebieten
und großen Städten die ethnischen und sozialen Probleme
voll aufeinanderprallen.
Neben der Wüstenlandschaft der Sahara bietet Afrika
nicht so Großartig-Berauschendes wie z.B. die
Andenkette. Von der kulturhistorischen Seite liegen die
wirklichen Attraktionen nördlich der Sahara. Höhepunkt
ist sicherlich Ägypten, aber auch die anderen Länder
der Mittelmeerküste haben reiche Vergangenheit und ein
eigenes, sehr orientalisches Heute. Südlich der Sahara
existierten nur selten und nur wenige größere Staaten,
die typische Organisationseinheit vor der Kolonisierung
war das räumlich eng begrenzte Stammesgebiet. Einige
Stämme waren und sind künstlerisch sehr begabt und
brachten z.B. kunstvolle Masken und Amulette hervor.
Betrachtet man also die Erde mit des Globetrotters Augen,
dann bietet Asien die fremdartigste Kultur und die
großen, neben dem Christentum stehenden Religionen.
Asien ist der schillerndste Kontinent überhaupt, der zur
Auseinandersetzung mit seinen unterschiedlichen
Lebensformen herausfordert.
Australien, der dünnbesiedelteste Kontinent mit viel
Platz und guten Sportmöglichkeiten, ist flach und ein
wenig arg uniform.
Die Höhepunkte der beiden Amerikas liegen hauptsächlich
in grandioser Gebirgslandschaft "zum Anfassen",
daneben in den Resten präkolumbianischer Kulturen und
dem Industrie-Koloss USA.
Afrika hat Wüste anzubieten, im Norden Ägypten als
Stammplatz auch unserer eigenen Kultur, im Süden
freundlich-fröhliche Menschen inmitten tropischer
Vegetation. Außerdem ist Afrika der Kontinent der
Tierparks.
3.1 Camping ohne
Campingplatz
Den
Luxus von Campingpläzen leistet sich nur unsere Welt, in
der Dritten finden Sie solche Annehmlichkeiten nur ganz
selten. Für den Camper stellt sich die Frage: wo
übernachten? Zwei grundsätzliche Möglichkeiten bieten
sich an. Entweder man verbringt die Nacht in einsamer
Wildnis, wo normalerweise Räuber mangels Markt nicht
vorbeikommen. Oder man parkt in belebten Gegenden in der
Hoffnung, dass dort die Räuber vom Betrieb auf der
Straße verschreckt werden (deswegen z.B. unter einer
Laterne, damit jeder gesehen werden kann, der sich an
Ihrem Auto zu schaffen macht). Dort ist es immer laut.
Trotzdem zogen wir meist derartige Plätze vor, weil wir
uns mehr Gedanken um den Zufallsräuber machten, der uns
in der Wildnis entdecken könnte.
In Pakistan und Indien übernachtet man gegen Gebühr auf
dem Gelände der staatlichen Resthouses, die in jedem
größeren Dorf zu finden sind. In Thailand liebten wir
Schutz und Stimmung buddhistischer Klöster. In anderen
Ländern schliefen wir sehr oft bei Tankstellen, auf
Hotelparkplätzen, Flughafenparkplätzen, in der Nähe
von Kasernen, Polizei- und ähnlichen Dienststellen, vor
Kirchen und in touristischen Zentren. Wir bevorzugten
kleine Dörfer, wo wir auf dem Dorfplatz parkten und
häufig sehr guten Kontakt zu den Bewohnern fanden. In
Wüstengegenden wie z.B. Ägypten gehen wir in die Wüste
abseits von Pisten.
In Städten (selbst in New York) parkten wir auf einsamen
Straßen, in die wir aber erst kurz vor dem Schlafengehen
und mit bereits im Wohntrakt verhangenen Fenstern fuhren;
auf großen Hotelparkplätzen fällt dann zur Not auch
nicht auf, dass der Gast kein Zimmer hat.
Meiden Sie Betten von Trockenflüssen fürs
Camping. Es könnte weit entfernt in Sturzbächen
geregnet haben, die Flutwelle käme lautlos. Der alte
Spruch, dass in der Sahara mehr Leute ertrunken als
verdurstet sind, kommt nicht von ungefähr.
Grundsätzlich parken wir nachts mit steckendem
Zündschlüssel und so, dass wir im Notfall ohne
Rangieren sofort die Flucht ergreifen könnten. Denn
immer wieder hört man von Überfällen, bei denen die
Überfallenen sich selbst durch ungeschicktes Parken den
Fluchtweg verstellt hatten.
3.2 Ernährung
unterwegs
Am
Besten Sie vergessen die gewohnte europäische Kost und
lassen sich von fremden Märkten inspirieren. Das Angebot
an Gemüse und Obst ist im allgemeinen mehr als
ausreichend, wenn Sie den Mut zum Experimentieren haben
und sich Anregungen aus der Küche des Gastlandes holen.
Mit Frischfleisch wird es schon etwas schwieriger.
Häufig bekommt man es nicht, und wenn, dann entspricht
es manchmal nicht den qualitativen oder hygienischen
Minimal- Anforderungen. In diesen Fällen können Sie
sich entweder mit Meerestieren behelfen, oder aus Eiern
(die fast immer und überall erhältlich sind)
abwechslungsreiche und schmackhafte Gerichte bereiten, so
das Sie durchaus einige Wochen vegetarisch leben können.
Grundsätzlich gilt die Regel, sich in den Großstädten,
die immer ein reiches Angebot an allen notwendigen
Lebensmittel bieten, mit den notwendigen Erzeugnissen
einzudecken. Deutsche Vertretungen sind in der Lage,
einschlägige Einkaufsquellen an Ort und Stelle zu
nennen, auch wenn diesbezügliche Auskünfte, wie so
viele andere auch, meist nur ungern gegeben werden.
Häufig erfährt man schon tausende Kilometer im Voraus
von anderen Reisekollegen, wo gute Geschäfte zu finden
sind oder, in Lateinamerika hauptsächlich, den Weg in
eine deutsche Bäckerei.
Natürlich werden Sie nicht immer selbst kochen.
Probieren Sie die einheimische Küche an Ort und Stelle,
sie ist dort immer am besten. Auf dem indischen
Subkontinent waren wir etwas vorsichtig bei der Auswahl
von Restaurants, bevorzugten aber meist die vegetarische
Küche, weil sie nirgends in der Welt besser ist als im
Land mit den meisten Vegetariern. In Südostasien haben
wir auch in sehr einfachen Pinten gegessen, ebenso in den
meisten lateinamerikanischen Ländern. Die mit Abstand
für uns beste Küche entdeckten wir übrigens in
Thailand.
3.3 Geldwechsel
Es
gibt den offiziellen Weg über Banken oder Wechselstuben
oder aber den Schwarzmarkt. Grundsätzlich gilt: je
härter ein Land den freien Devisenmarkt einschränkt,
umso günstiger ist der Schwarzmarktkurs. Allerdings
sollte man sich umgekehrt Gedanken darüber machen, dass
die Ursache der Devisenbeschränkung immer im
Wohlstandsgefälle zwischen den Industriestaaten und der
Dritten Welt liegt. Mit dem schwarzen Devisentausch
schadet man zwar "nur" einer anonymen
Bürokratie, letztendlich trifft man dennoch den kleinen
Mann auf der Straße. Unsere Einstellung zu diesem
Problem hat sich daher in den letzten Jahren sehr
geändert: das, was wir früher als Sport betrachteten,
sehen wir heute als Negativhandlung.
Das Tauschen auf dem Schwarzmarkt ist natürlich immer
mit dem Risiko verbunden, von Dieben übers Ohr gehauen
oder gar ausgeraubt zu werden oder den staatlichen
Fahndern in die Arme zu laufen. Ob das Risiko den Nutzen
übersteigt, muss jeder selbst wissen, siehe oben.
Tauschen Sie nach Möglichkeit nie mehr Geld als Sie in
einem Land verbrauchen werden, der Rücktausch von
überflüssiger Landeswährung in harte Devisen ist immer
mit Verlusten verbunden. Heben Sie sich stets ein paar
Ein-Dollar-Noten auf, falls Sie beim Grenzübergang noch
unerwartete Gebühren zahlen müssen oder dem Zöllner
eine besondere Freude machen wollen oder müssen.
3.4 Feiertage im
Ausland
So
willkommen Feiertage zu Hause auch sind, unterwegs
schaffen sie meist Verdruss. Behörden, von denen man ein
Visum oder den Erlaubnisschein für eine Besichtigung
braucht, sind geschlossen, Geschäfte öffnen nur einige
Stunden.
Der christliche Sonntag ist in den allermeisten
nicht-muselmanischen Ländern mehr oder weniger
gesetzlicher Feiertag. Strenge muselmanische Länder
halten ganz strikte Ruhe am Freitag, während ehemals von
den Engländern abhängige Länder wie z.B. Pakistan
beide Feiertage achten, zumeist die staatlichen Stellen
den Sonntag, während private Geschäfte etc. am Freitag
geschlossen sind. Fast immer passiert es, dass die Butter
genau am Freitag ausgeht und man in der Hauptstadt am
Sonntag ankommt, wenn die Behörden geschlossen haben.
In ärgere Zeitbedrängnis mag kommen, wer in große
Feiertage gerät wie Neujahr (das je nach
Glaubensbekenntnis auf die unterschiedlichsten Tage
zwischen November und März fallen kann) oder in
muselmanischen Ländern in das Ende der Fastenzeit.
Derartige Feste können sich über viele Tage hinziehen;
Freunde von uns saßen bei einer solchen Gelegenheit eine
Woche lang auf der Hebebühne einer Werkstatt fest - es
gibt bessere Plätze für eine Pause.
Der Versuch, hier eine Liste der üblichen Feiertage pro
Land aufzustellen, scheiterte beim ersten Anlauf. Die
meisten der lokalen Feste hängen vom Mondkalender oder
gar den Orakelsprüchen der Astrologen ab. Für längere
Reisen in einem Land empfiehlt es sich, bei der Einreise
Auskünfte zu holen. Spätestens die deutsche Botschaft
wird die Feste genauestens kennen; die Herren Diplomaten
finden genug Vorwände, alle ortsüblichen und
zusätzlich sämtliche in Deutschland zelebrierten
Feiertage mitzunehmen.
3.5 Waschtag wie
bei Großmutter
Das
Problem der schmutzigen Wäsche lässt sich mit
verschiedenen Methoden lösen. Man sammelt solange -
sofern der Vorrat reicht - bis man zur nächsten
Reinigungsanstalt kommt. Dort versucht der Vorsichtige
herauszufinden, in welchem der Flüsse der Stadt die
Wäsche landet; eventuell verschiebt er dann das Vorhaben
auf die nächste Gelegenheit. Hat man sich zur Abgabe der
Wäsche entschlossen, erscheint noch eine Überprüfung
des Markierungsverfahrens angebracht. Wir erlebten mehr
als einmal, dass unsere Wäsche mit unlöslicher Tusche
genau dort gezeichnet wurde, wo man es auch beim Tragen
sah.
Außerdem ist zu beachten, dass indische Profis sehr
häufig die Wäsche auf Steine oder Holzplatten schlagen
oder mit Knüppeln bearbeiten: das überstehen nicht alle
Knöpfe.
Einfacher ist es, einen dicht verschließbaren Eimer mit
Wäsche, Wasser und Waschmittel zu füllen, ihn
möglichst auf dem Dachständer zu befestigen und dann
einen Tag lang spazierenzufahren. Das Geschaukel auf
schlechten Straßen wirkt ein wenig wie die heimische
Waschmaschine; und wenn die Sonne kräftig scheint,
arbeitet die Maschine mit warmem Wasser. Zum Trocknen
spannten wir häufig Leinen quer durchs Auto, nach kurzer
Zeit hatte der Fahrtwind den Job erledigt.
Die dritte Möglichkeit ist, auf Einladungen freundlicher
Leute zu warten, die eine Waschmaschine besitzen. Im
ungünstigsten Fall muss man an einem klaren Bach halten
und tatsächlich einen mühseligen Hand-Waschtag
einlegen.
3.6 Ungeziefer
Eine
einzige Mücke kann Sie eine ganze Nacht wachhalten,
sobald Sie Licht machen, verschwindet das Luder. In der
Dunkelheit startet sie erneut ihre Angriffe, mit
nerventötendem Tieffliegergeheul. Es helfen wirklich nur
Moskitonetze.
Es gibt zeltartige Konstruktionen, die im Auto erstickend
wirken, weil sie die ohnehin mäßige Luftzirkulation
weiter verringern. Besser ist es, den Schlaftrakt des
Wagens mit einem Moskitonetz abzutrennen. Aber suchen Sie
nach jeder kleinsten Lücke, die Viecher kriechen
überall durch.
Einreibemittel gegen Insekten halten nur wenige Stunden
an, Insektensprays bergen gesundheitliche Gefahren auch
für den Menschen, eine Fliegenklatsche dagegen hilft
Aggressionen abzubauen. In verschiedenen Ländern gibt es
eine Art Räucherstäbchen in Spiralform, dessen Rauch
Mücken davontreiben soll - wenn der Rauch so stark ist,
dass die Mücken die Flucht ergreifen, dann läuft auch
der Anwender davon.
Mehrere Male wanderten Ameisen bei uns ein. Eine Nacht im
hohen Gras kann bereits die Brücken für Gäste
schaffen, die sich sehr schnell vermehren. Sie sind
allerdings mit den üblichen Sprays, z.B. Shelltox, zu
vernichten. Bei anderer Gelegenheit - als wir den Wagen
ein paar Tage allein ließen - fand eine Maus Zuflucht in
unseren Vorräten. Zum Glück verließ sie uns bald
wieder; wir erinnerten uns der Geschichte eines allein
reisenden VW-Bus-Globetrotters, der in Indien mehrere
Wochen Mause-Gesellschaft hatte, die er trotz Mausefallen
und allen erdenklichen Mühen nicht los wurde.
Wenn wir in billigen Hotels nächtigten, handelten wir
uns mehrere Male Flöhe ein. Die wird man entweder durch
Leiden oder intensive Suche mit komplettem
Wäschewechsel, sofortigem Duschen oder Baden und
Wäschewaschen los. Im Übrigen können Flöhe auch
jederzeit im dichten Menschengedränge umsteigen.
3.7 Gefahren am
Wegesrand
Wir
erlebten einen Krieg, zwei Erdbeben und einen
Wirbelsturm. Wir glauben, dass all diese Gefahren viel
geringer für den Reisenden zu veranschlagen sind als die
Verkehrsgefahren, die ihn im selben Zeitraum auf
Deutschlands Straßen bedrohen würden.
Generell gilt, dass man lieber Gefahren aus dem Weg gehen
sollte, als den Helden zu spielen. Lieber bei
Demonstrationen einen riesigen Umweg fahren oder umkehren
und an sicherer Stelle eine erholsame Pause einlegen, als
sich einen Weg erzwingen durch den Demonstrationszug -
und dann als willkommenes Aggressionsobjekt wirken. An
brennenden Autos ergötzen sich weltweit Demonstranten;
und es gibt Länder, in denen ist die Freude noch
größer, wenn die Auto-Insassen mitbrennen.
Gerät man unversehens in einen Krieg, dann sollte man
sich peinlichst genau an alle Regeln des
Ausnahmezustandes halten. Ein Beispiel (verständlicher)
Hysterie: Weil während des indisch- pakistanischen
Krieges strikte Verdunkelung angeordnet war, regten sich
Inder bei einem Reisekollegen ganz furchtbar über die
sichtbare Glut einer im Freien gerauchten Zigarette auf.
Erdbeben sind für den Camper recht ungefährlich, wenn
sich nicht gerade ein Spalt in der Straße öffnet oder
wenn Haustrümmer herumfliegen. Das Auto schaukelt
vielleicht etwas unsanft.
Wirbelstürme rücken dem Camper schon mehr zuleibe. Aber
man muß wirklich Pech haben, wenn man den Weg eines
Hurricans kreuzt. Trotzdem hörten wir in gefährdeten
Gebieten immer genau den Nachrichten zu (BBC berichtet
darüber), um eventuell die Flucht einschlagen zu
können.
Bergrutsche finden gewöhnlich während der Regenzeit
statt. Regenzeiten lassen sich bei einer langen Reise
nicht vermeiden. Wir haben am Ende der Regenzeit in
Südamerika unzählige Stellen passiert, an denen die
Straße verschüttet war, aber niemals hat uns auch nur
ein Stein getroffen.
Die fast panische Angst vor Schlangen, Spinnen und
Skorpionen sitzt fast allen Bewohnern nördlicher Breiten
im Nacken. Dabei haben Schlangen noch mehr Angst vor dem
Menschen, sie greifen fast immer nur aus Verteidigung an.
Man sollte sich daher angewöhnen, stets mit hörbarem
Fußrascheln oder lauten Geräuschen in die Büsche zu
gehen, Schlangen verschwinden dann aus Eigenschutz.
Skorpione sind offenbar dümmer und träger, sie laufen
einem bei der Flucht auch noch aus Versehen unter die
Füße. Obwohl wir sogar im Schlafzimmer in unserem Haus
in Pakistan Skorpione jagten, hat uns kein einziger
gebissen. Vor Spinnen sollte man mehr Respekt haben. In
Australien hörten wir von einer Österreicherin, die
morgens ihren BH anzog, aber die Spinne darin nicht
bemerkte, gebissen wurde und 10 Minuten später starb.
Wir gewöhnten uns das Durchsuchen von Kleidungsstücken
und von Schuhen an, besonders wenn das Auto länger mit
offenen Fenstern unter Bäumen gestanden hatte.
Eine gar nicht seltene Gefahr ist Feuer im Auto, das
häufig durch gasbetriebene Geräte ausgelöst wird. Ohne
einen wirksamen Feuerlöscher wäre unsere Reise beinahe
nach 10 000 km in Dehli zu Ende gewesen; als
"gebrannte" Kinder empfehlen wir unbedingt
Feuerlöscher. Am besten zwei 2 kg-Pulverlöscher, einen
davon im Wohntrakt, den anderen im Fahrerhaus angebracht.
Machen Sie sich in einer stillen Stunde mit den wenigen
Handgriffen der Benutzung vertraut - in der Panik werden
Sie aufgeregt an dem Ding herumfingern und kostbare Zeit
verlieren. Benutzte (auch nur sekundenlang) Feuerlöscher
müssen von einer Servicestation wieder aufgefüllt
werden, weil das Treibmittel entweicht!
3.8 Souvenirs
und Geschenke
Es
stimmt, dass in den meisten Ländern Souvenirs äußerst
preiswert sind. Kaum ein Tourist kann im Orient einem
Teppichkauf widerstehen. Man muss aber lange suchen, um
einmalige oder außergewöhnliche Stücke zu ergattern.
Die nüchterne Wahrheit ist, dass es kaum ein noch so
ausgefallenes Stück gibt, das nicht auch in Deutschland
zu haben ist; bei manchen Dingen mögen Sie hier erstaunt
feststellen, daß Sie dem Feilschen der Händler nicht
gewachsen waren und teurer einkauften als Neckermann.
Wenn Sie einen bestimmten maximalen Geldbetrag zum Reisen
haben und davon 20 % für Souvenirs ausgeben, dann wird
eben die Reise ein ganzes Stück kürzer. Auch handeln
Sie sich an der deutschen Grenze Mehrarbeit ein.
Wer Souvenirs nicht pausenlos spazierenfahren will, kann
sie auch von zuverlässigen Stellen nach Hause schicken.
Der billigere Weg ist meist der Schiffstransport, daher
wartet man bis zu einem größeren Hafen, wo derartige
Aktionen keinerlei Sensation bedeuten. Luftfracht ist
natürlich schneller und meist auch sicherer.
Vielleicht können Sie sich auch mit anderen Reisenden zu
einer gemeinsamen Kiste zusammentun. Manchmal haben auch
nach Deutschland zurückkehrende Diplomaten oder
Geschäftsleute noch Platz für ein Paket im Umzugsgut.
Umgekehrt hat man unterwegs manchmal den Wunsch, einem
Einheimischen für eine Einladung oder sonst ein
Entgegenkommen eine Freude zu machen. Dann zum nächsten
Markt gehen und ein in unseren Augen hübsches Souvenir
kaufen und dem guten Mann schenken, da wird er u.U. etwas
mitleidig schauen.
Man sollte vor der Reise bereits Gastgeschenke besorgen,
denn die Freude des Beschenkten ist über ein Produkt aus
der Heimat des Gastes sehr viel größer als über
irgendeine lokal erworbene Sache. Außerdem sollte das
Geschenk auch irgendwie nützlich und leicht
transportierbar sein. Betrachten Sie die folgende
Auflistung als Beispielsammlung:
Kugelschreiber, Malstifte, Luftballons, sinnvolles
Spielzeug, Bonbons etc. eignen sich für Kinder. Mit
gebrauchter Kleidung kann man häufig jemandem einen
Gefallen tun oder mit Verbandszeug, Heftpflaster,
Vitamintabletten, Seife, Teebeuteln und Würfelzucker,
Einwegfeuerzeugen, Postkarten mit der heimatlichen
Fußballmannschaft oder von der Heimatstadt des
Besuchers, Briefmarken, T-Shirts mit heimischem Aufdruck,
Taschenmesser, Taschenspiegel, Sonnenbrille,
Nähnadelpäckchen, Taschenrechner, Transistorradios oder
gar Kasettenspieler. Bei Einladungen, bei denen durch
Gastgeschenke die Aufwendungen des Gastgebers nicht
kompensiert werden können, sollte man dies durch
äquivalente Geldgeschenke tun, die für die Kinder des
Gastgebers bestimmt sind; damit verliert keiner der
Beteiligten Gesicht.
Das schlimmste Erlebnis unserer Reise war
die Rückkehr nach Deutschland. Im Spiegel des
Heimatlandes erkennen Sie plötzlich, wie sehr Sie sich
verändert haben. Ihre alte Umgebung verharrte im
eingefahrenen Geleise, es gab keine tiefgreifenden
Änderungen.
Sie hingegen waren vogelfrei, jedem Angriff preisgegeben.
Sie lebten täglich äußerst aktiv, mit geschärften
Sinnen, wachem Verstand, 24 Stunden am Tag
herausgefordert. So kommen Sie zurück, hellwach und
voller innerer Spannung. Aber dann trifft Sie die
Mittelmäßigkeit des industrialisierten Alltags. Ihren
Nerven fehlt plötzlich die tägliche Portion Reiz, weil
hier das Risiko gleichermaßen verteilt, reglementiert
ist. Diese Erfahrung tut weh.
Die große Frage stellt sich meist sofort: welcher
Arbeitgeber honoriert Allgemein- und
Persönlichkeitsbildung, die Sie unterwegs erwarben. Das
Gegenteil scheint eher der Fall zu sein. Jedoch, wenn Sie
Motive und Erfolg Ihrer Reise richtig darstellen, stoßen
Sie bei erstaunlich vielen Leuten auf Verständnis.
Über ein publizistisches "recycling" Ihrer
Reise-Investitionen sollten Sie sich vor falschen
Illusionen bewahren. Der Markt ist übervoll, es gibt
sogar von dem langweiligsten Winkel der Erde
Meisterfotos. Als Sensation können Sie höchstens noch
eine Besichtigungsfahrt durchs russische
Atomforschungszentrum verkaufen.
Ein Tip zum Schluss. Wenn Sie schon nach Deutschland
zurückkehren müssen, so legen Sie Ihre Ankunft in den
Sommer. In all dem Unglück auch noch kalten
Dauernieselregen ertragen zu müssen - wie es uns im
November/Dezember passierte - das geht bis hart an die
Grenze der Belastungsfähigkeit.
|