Liontravels Welt
Reisejournal
Im VW-Bus um die Erde

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Das Reise-Know-How: Ratschläge, Informationen, Tipps
- Eine liontravel.net-Version für Sie -

"Nachdruck" der sechsten, vergriffenen Auflage (1989) von "Im VW-Bus um die Erde"

Das Buch über eine dreijährige Reise um die Welt in den Jahren 1971-74 - damals noch ein Traum vieler Reise-Fans - verführte so manchen, es den Autoren gleich zu tun. Denn sie beschrieben nicht nur die erlebnisreiche Reise, sondern gaben eine Menge Tipps zum Nachmachen und eine Bauanleitung zum Nachbauen des Campers. Nach 6 Auflagen wollten sie das Buch nicht noch einmal herausbringen, weil es teilweise veraltet war.

Da das Buch sehr gefragt ist und unserer Meinung höchst interessant ist, hat
liontravel.net unter Genehmigung des Verlages die originalgetreue 6. Auflage - allerdings nur den Text, und diesen nicht vollständig ins, wir nennen es hier einfach mal, "Liontravel.Netz" gestellt.
Das Buch ist im Tondok-Verlag erschienen. Unter
www.tondok-verlag.de erhalten Sie mehr Informationen.

TIPP: Wollen Sie diesen langen Text nicht online lesen, dann markieren Sie den gesamten Text und klicken Sie mit der rechten Maustaste auf "Kopieren" bzw. "Copy" und fügen Sie diesen dann in ein Textverarbeitungsprogramm Ihrer Wahl auf Ihrem Computer ein. Liontravel muss Sie allerdings darauf hinweisen, dass der kopierte Text nur für den privaten Gebrauch verwendet werden und nicht weitergegeben werden darf. Damit das Lesen noch spannender wird, nehmen Sie sich doch einen Atlas zur Hand. Viel Spaß beim Lesen!

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1.1 Nur Mut

Träume von Weltreisen bleiben für die meisten Leute Träume, die sie mit ins Grab nehmen; nur wenige Glückskinder gewinnen eine Traumreise um die Erde. Dabei leben wir in einer Wohlstandsepoche, in der sich auch solche Träume in Realität umsetzen lassen. Es gehört nur ein Bisschen Mut dazu: Der Mut, sich zu entscheiden und diese Entscheidung auch durchzuhalten.

Natürlich brauchen Sie ein paar Voraussetzungen, die neben dem Reisebetriebskapital in Ihrer Persönlichkeit liegen. Das Fernweh muss so an Ihnen ziehen und zerren, dass Sie mit Leichtigkeit auf ein "geregeltes Leben" verzichten können, d.h. auf gewohntes Essen, gewohnte Umgebung, Fernsehen und Konsum. Sie müssen bereit sein, einen Teil Ihres Komforts aufzugeben, Strapazen (gar nicht so große) und Entbehrungen (gar nicht so viele) in Kauf zu nehmen. Sie müssen bereit sein, täglich Entscheidungen von manchmal ziemlicher Tragweite zu treffen, die Ihnen bei den bevormundeten Gruppen-Reisen durch den Veranstalter abgenommen würden. Sie müssen gewillt sein, sich selbst mit einem fremden Land zu beschäftigen, sich selbst in die neue Umwelt "einzuarbeiten".

Do-it-yourself-Reisen fordern Sie in Ihrer ganzen Persönlichkeit: Sie werden frei sein, aber auch vogelfrei. Niemand wird sie schützen. Sie müssen selbst die Augen offenhalten und sehr häufig die Ohren spitzen, um Gefahren oder aber Chancen wahrzunehmen. Andererseits wird Ihnen niemand dreinreden: Ihr Chef, Ihre Kollegen und wem Sie sonst noch verpflichtet waren, alle bleiben zu Hause. Fortan bestimmen Sie jeden Tag Ihr eigenes Leben. Sie werden unabhängig sein.

Doch machen Sie sich nichts vor: Ihre Freiheit ist auch unterwegs relativ, sie wird von bürokratischen Vorschriften, von Vorstellungen und Traditionen der Bevölkerungen des Gastlandes einerseits und von Ihrem Bankkonto andererseits bestimmt werden. Aber innerhalb dieser doch sehr weit gesteckten Grenzen werden Sie Freiheiten erfahren, die Sie im reglementierten Alltag zu Hause nicht finden können. Es wird auch eine andere Art von Freiheit sein als die im Urlaub, wo die Zeit kurz und der Erlebnisdruck hoch ist.

Sie werden Ihre Persönlichkeit entscheidend weiterentwickeln. Denn es gilt, selbstgesteckte Ziele zu erreichen, Berge von Schwierigkeiten mit dem Aufbieten aller Fähigkeiten zu überwinden. Sie werden sich durchzusetzen haben, aber auch flexibel sein müssen und Toleranz zu praktizieren haben. Und vielleicht werden Sie irgendwann die Wertmaßstäbe Ihres Lebens überdenken.

Sie werden Muße finden, ein fremdes Land von jeder Sinnesempfindung her anzugehen: Sie werden den Wind der Wüste auf Ihrer Haut spüren, die vollkommene Stille einer Wüstennacht wird sich Ihrem Körper mitteilen. In den Tropen wird Sie der gewaltige Ansturm von Leben, die totale Fruchtbarkeit der gesamten Umgebung überwältigen, ungeahnte Düfte werden Sie betören. Sie können die Wirklichkeit von Orchideen oder von Marmor-Blumen eines Tempels mit ihren Händen erfassen. Diese Eindrücke werden Sie in den natürlichen und ursprünglichen Dimensionen erleben - und nicht eingequetscht in ein Fernsehbild oder in das Format eines Buches. Die Schönheit der Erde ist mit keinem der vorhandenen Medienmittel auch nur annähernd wiederzugeben. Deshalb gilt für den, der wirklich wissen will, wie die Erde ist: Er muss sie Stein für Stein selbst erobern.

1.2 Gehen Sie doch gleich auf Weltreise

Viele Leute beschäftigen sich jahrelang mit Weltreise-Ideen - und kommen nie vom Fleck. Andere entschließen sich ganz spontan, packen den Rucksack oder kaufen ein Auto und fahren ab. Wir sind Anhänger spontaner Entschlüsse, haben aber trotzdem über 2 Jahre für Planung und Vorbereitung unserer Weltreise investiert - und das zahlte sich aus. Wir hatten ein Ziel, für das es lohnte, Geld zu sparen und es blieb genug Zeit, um Pläne zu schmieden, Bücher durchzuarbeiten und, nicht zuletzt, das Auto auszubauen.

Wenn Sie mit der Idee spielen, länger oder ganz lange auf Reisen zu gehen, dann sollten Sie in den Entscheidungsprozess eine wichtige Überlegung miteinbeziehen. Je länger der Trip dauert, umso billiger wird relativ der Reise-Tag oder der -Kilometer. Es lohnt sich kaum, für eine halbjährige Reise eine Wohnung aufzugeben, Möbel zu verkaufen und alle möglichen anderen Verpflichtungen wie Versicherungen etc. zu kündigen oder einzustellen.

Bei längeren Reise-Zeiten verringert eine aufgelöste Wohnung die Probleme zu Hause, verkaufte Möbel oder gar der Erlös für ein Haus stärken den Reise-Etat. Das Argument, man müsste nach der Rückkehr neue Möbel anschaffen, zählt kaum. Nach zwei oder drei Globetrotter- Jahren hat man sich so verändert, dass man das Zeug aus dem vorigen Leben ohnehin aus dem Fenster werfen würde.

Wenn Sie sich entscheiden, einen guten Job zu kündigen und eine Reihe täglicher Verpflichtungen zumindest auf Eis zu legen, dann sollten Sie es konsequent tun und gleich eine Reise planen, die Sie jahrelang in Bewegung hält. Das ist die optimale und auch letztlich die wirtschaftlichste Lösung des Problems.

Allerdings setzt diese Entscheidung voraus, dass sich alle Beteiligten über die Konsequenzen einigermaßen sicher sind. Dass sie das Reisen nicht schon nach den ersten Strapazen satt haben, dass die Partner miteinander auskommen und dass - last but not least - das nötige Betriebskapital vorhanden ist. Auch sollten Sie wenigstens einige Erfahrungen beim Reisen auf eigene Faust gesammelt haben, damit Sie nicht nachher böse Überraschungen erleben.

Auch Globetrotter teilen die Welt in Interessensgebiete auf. Es gibt Afrika-Fans, die andere Erdteile unbeachtet lassen. Bergsteiger schwärmen vom Himalaya oder von den Anden, Kulturbeflissene finden in Indien weit mehr Ziele als im flächengleichen Brasilien.

Häufig werden wir gefragt, welches Land uns am besten gefallen habe. Wir wollen und können darauf keine zielsichere Antwort geben. Denn in jeder Gegend dieser Erde findet man etwas Interessantes, Reizvolles; und wenn uns morgen ein wohlgesonnener Mäzen sagen würde: "Hier ist ein Scheck, fahrt hin, wo immer es euch gefällt" - wir würden alle Länder wieder besuchen, die wir schon kennen, und wenn der Scheck reicht, mit Sicherheit auch all die unbekannten.

Ganz frei von Wunsch-Zielen sind wir allerdings auch nicht. Unser Gefühlskompass weist eindeutig nach Osten, der indische Subkontinent zieht uns magisch an. Daher wollen wir auch diesen Überblick mit der Reise nach Osten beginnen.

2.1 Asien

Europa ist uns allen sattsam bekannt, der Übergang von unserer nüchtern-kühlen Gefühlswelt in die menschlich sehr viel beziehungsreichere Welt des Orient vollzieht sich ziemlich rasch. Hat man das von Polizei wimmelnde Bulgarien hinter sich, tauchen in der europäischen Türkei bald die ersten Moscheen mit ihren spitzen Minaretts auf, Frauen in Pluderhosen folgen gehorsam dem Familienvater, der beinebaumelnd auf dem Esel voranreitet. Haut- und blechnahes Gedränge in Istanbul, das als Konstantinopel jahrhundertelang einen großen Teil der Welt beherrschte.

Der Einfluss des Islam ist nicht mehr zu übersehen. Fünfmal täglich erschallt der Ruf zum Gebet, die Moscheen dienen vor allem Männern zum Beten, Meditieren - und zu sehr alltäglichen Gesprächen. Die im Koran festgeschriebenen Gesetze, Ansichten, Meinungen und Auslegungen bestimmen das tägliche Leben. In der Türkei nicht ganz so streng wie im Iran, der zur Zeit das orthodox-fanatische Land schlechthin ist. Beim Abstecher nach Süden, auf die saudiarabische Halbinsel, herrschen zumindest nach außen hin ähnliche Vorstellungen und Gesetze, aber hinter den hohen Mauern der Höfe arrangiert man sich eher zwischen westlicher Dekadenz und orthodoxer Strenge.

Wer einmal in Saudi-Arabien zur Pilgerzeit, während der Hadj, unterwegs war und die Massen aus der gesamten islamischen Welt auf dem Zug bzw. Flug nach Mekka erlebte, kann vielleicht eher die Klammer dieser strengen monotheistischen Relgion verstehen, die so unterschiedliche Temperamente wie die saudischen Wüstensöhne und die in den satten Tropen gemütlich dahinlebenden Malayen zusammenhält. Und wenn man mit einem Hadji spricht und sich über das Erlebnis der unendlichen Gemeinschaft beim Pilgerzug um die Kaaba in Mekka, bei der das Individuum völlig in der Masse der Gläubigen aufgeht, berichten lässt, dann versteht man ein wenig mehr von der Anziehungskraft, die diese strenge Relgion ausübt.

Der Monotheismus entstammt der Wüste, sei es Islam, Judentum oder Christentum. Die Geburtsstätten liegen eng beieinander. Und Wüste oder Steppe ist auch der pauschale Eindruck, der sich bereits in der europäischen Türkei einzustellen beginnt. Je weiter östlich man in der Türkei vordringt, umso mehr nimmt die Farbe Grün ab. Bereits in der Gegend um Ankara breiten sich Steppen von Horizont zu Horizont aus, später in Anatolien sind nackte, wüstenhafte Gebirgsstöcke zu durchqueren. Im Iran folgen dann echte Wüstenabschnitte und weiter im Ostiran,auf dem Weg nach Mashad werden die Entfernungen zwischen den Orten schon so weit, dass man eher von Oasenflecken sprechen kann.

Früher - in den "seligen" siebziger Jahren - folgte der Höhepunkt Zentralasiens: Afghanistan. Wir haben dieses Land fünf Mal besucht - und es war zwanzigmal zu wenig. Damals traf der Besucher auf stolze, selbstbewußte Menschen, die aber von einer so einfachen, aufrichtigen Herzlichkeit waren, dass man sich im wirklichen Sinn willkommen fühlte. Diese Leute bezwangen täglich aufs Neue eine garstige Umwelt: Als Nomaden mussten sie jedem der weit auseinanderstehenden Kameldornbüsche hinterher wandern, als Bauern Pflanze für Pflanze der Wüste abtrotzen. Diese Umwelt gehört zu einer wilden, bizarren Landschaft; der Hindukusch als Rückgrat des Landes ist ebenso herrisch-unnahbar wie die Bewohner stolz sind.

Schließlich erklimmt man den Khyberpass und fährt hinunter in das Industal. Die Vegetation ändert sich fast schlagartig: üppige Gärten und Felder verwirren das Auge mit ungewohntem Grün. Auch die Menschen sind anders: Hier in Pakistan leben zwar auch sehr orthodoxe Muslime, aber die subtropische Vegetation und die viele Generationen zurückliegende hinduistische Vergangenheit haben einen weicheren, weniger geradlinigen Menschenschlag hervorgebracht. Das zentrale Pakistan ist menschlich anders als Afghanistan, aber auch landschaftlich nicht sonderlich berauschend, sofern man die Gebiete des Karakorum ausnimmt, dort besitzt Pakistan mit dem Nanga Parbat einen der höchsten Berge der Erde.

Diese Zeilen sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Afghanistan derzeit nicht zugänglich ist, und dass Pakistan per Straße nur auf dem direkten Landweg im Iran auf der Linie Shiraz/Quetta erreicht werden kann. Weiterhin muss auf die Schwierigkeiten beim Grenzübergang Pakistan/Indien hingewiesen werden, der nur dann geöffnet ist, wenn das politische Klima zwischen den Nachbarstaaten und/oder im Grenzbereich stimmt; die Sikh-Unruhen im Pundjab führten z.B. zu langen Grenzschließungen.

Ein weiterer Bruch findet beim Grenzübertritt nach Indien statt. Die erste Stadt heißt Amritsar, in der früher (vor Ende der 70er Jahre) die Sikh friedlich neben den Hindus lebten. Ein Tag oder besser Abend im Goldenen Tempel von Amritsar führt den Besucher in eine neue Welt: Hier geht es nicht mehr um einen eifersüchtig- strengen monotheistischen Gott, sondern um Heilige des Sikh- Glaubens. Priester rezitieren, von Harmoniumspiel begleitet, aus dem Heiligen Buch der Sikh, Räucherstäbchen und Blumenketten verströmen betörenden Duft, die goldene Kuppel des Tempels spiegelt sich eitel im Wasserbecken, das den Sikhs für ihre riutellen Waschungen dient.

So wie sich der Charakter der Vegetation nach Verlassen der Wüstengebiete änderte, so passt auch die dominierende Religion des Subkontinents, der Hinduismus, in diese üppige Umgebung: dem einen Gott der Monotheisten steht eine Vielzahl von Göttern (über 200 Millionen) der Hindus entgegen. Es ist der Unterschied zwischen Wüste und Tropen - hier die einzelne Pflanze, dort die verschlungene Vielfalt von Grün. So ist auch das Leben der Hindus von dem Mystizismus ihrer Religion geprägt. Das beginnt bei dem immer noch existierenden Kastensystem und dem geduldigen Ertragen einer per Geburt vorgegebenen Sozialposition, wird bei den täglichen rituellen Waschungen sichtbar oder den Pilgerfahrten zu den heiligen Städten. Immer trifft man auf Menschen, die in inniger Frömmigkeit ihrem Glauben verbunden sind; Erlebnisse wie die Pilgerströme in Varanasi (Benares) oder der von Musikanten begleitete Ausflug der Götterstatue eines Dorftempels zeichnen eine so andere, so entfernte Welt zu unserem Rationalismus. Als ein Wesensfremder begreift man sie nie so richtig, erwischt sich aber häufig bei dem Wunsch, in sie versinken zu wollen.

Indien fesselt den Besucher vom ersten Augenblick an: Die Luft ist schwer vom Duft der Blüten, Vogelschwärme zwitschern in den Bäumen, Wasserbüffel suhlen sich in Tümpeln und Flüssen. Die Menschen - auf jeder Dorfstraße wimmelt es von Unzähligen - sind bunt in vielen unterschiedlichen Trachten gekleidet; bei den Frauen dominieren die so kleidsamen Saris in allen denkbaren Farben, viele Männer wickeln sich Turbane um den Kopf und tragen luftige, flatternde Gewänder.

Der indische Subkontinent steckt aber auch voller Widersprüche. Hier der Hinduismus mit seinen fabelhaften Götterfiguren, die sich lieben, hassen, bekämpfen - nicht anders als die Menschen auch. Dort der strenge islamische Gott, der täglich von der Moschee verkünden lässt, er sei der Größte und Einzige. Hier die dem Hindu heilige Kuh, nebenan der Moslem, dem die heilige Kuh nichts anderes ist als ein Stück Fleisch, das gebraten am Besten schmeckt. Der nicht vegetarisch lebende Hindu hält sich Schweine, die gebraten auch nicht gerade schlecht munden - das wiederum ist dem Muslim unvorstellbar und Sünde ausserdem. Konflikt liegt also fast minütlich in der Luft.

Nepal, der nördliche Himalaya-Nachbar Indiens, kennt diese Probleme kaum, denn hier ist der Hinduismus Staatsrelegion, daneben zeigt der Buddhismus in seiner von Tibet kommenden Form des Lamaismus mit einigen großen Stupas und Mönchsgemeinschaften seine fest verankerte Existenz. Dieses kleine Land mitten im höchsten Gebirge der Erde ist so sympathisch von seinen liebenswerten Menschen her und, natürlich, von der imposanten Kulisse der zum Greifen naheliegenden Achttausender.

Der Subkontinent Indien als Reiseziel ist in erster Linie ein Lehrstück in Sachen des menschlichen Miteinander und der so anderen Lebensphilosophie und Überlebenskunst. Hier begegnet man wirklich anderen Gedanken über das Diesseits und Jenseits, hier muss man verweilen und versuchen, in eine ganz andere Vorstellungswelt einzudringen. Andererseits bietet Indien aber auch die prächtigsten Bauwerke - besonders im Norden aus der islamischen Mogul-Zeit -, im Süden riesige, dorfgroße Hindu-Tempelanlagen. Von der Landschaft her liegen die großen Attraktionen im Himalaya, aber auch die palmengesäumten Strände der Halbinsel sind nicht zu verachten, wobei das Traveller-Bade-Paradies die ehemalige protugisische Kolonie Goa ist.

Indien ist das Geburtsland des Buddhismus, der aber hier nicht überlebte, sondern vom Hinduismus aufgesogen wurde. Die heute typisch buddhistischen Länder liegen (ausser Sri Lanka) weiter östlich. Burma, Thailand, Kambodscha und Laos waren noch vor wenigen Jahren die buddhistischen Hochburgen, derzeit sind nur Thailand und das etwas verschlossene (zumindest in der Aufenthaltszeit) Burma zugänglich.

Reisen in Thailand ist das Eintauchen in sanfte, ewig fruchtbare Landschaften, das Umgebensein von sanften (und nicht weniger fruchtbaren) Menschen. Dazu goldglänzende Tempel, Klöster und Stupas fast in jedem Dorf. Thailand und dann mehr noch die malayische Halbinsel liegen in tropischen Klimazonen, die Vegetation beweist es auf Schritt und Tritt. Besonders in Malaysia säumen Gummibaumplantagen die Straßen, erlebt der Reisende in jedem Augenblick, welche Üppigkeit Sonne und Regen hervorzubringen vermögen.

Ungewohnte Üppigkeit im wirtschaftlichen Sinn bietet der Inselstaat Singapur mit seinen sauberen Straßen und den leider etwas steril wirkenden Chinesenvierteln. Nicht anders, aber bei weitem nicht so sauber ist die zweite südöstliche Handelsmetropole Hongkong, phantastisch gelegen und ein Lehrbeispiel für die Kunst, auf engstem Raum zu überleben. Und schließlich nicht viel anders Taiwan, die so schöne, übervölkerte Insel von landschaftlich großartigem Reiz.

Mit Hongkong und Taiwan haben wir den großen, von den Chinesen beeinflußten Kulturraum betreten. Emsigkeit und Fleiß ist der Eindruck, den die Menschenmassen in China hinterlassen.

Die Ameisenstraßen von Radfahrern in Peking wirken auf den Neuankömmling schon fast alptraumhaft. Aber bald wird man in das reiche und alte kulturelle Erbe der Chinesen hineingezogen: Die riesige Verbotene Stadt mit ihren Palästen und Tempeln ist eins der dominierenden Bauwerke von großartiger architektonischer Schönheit. Die Große Mauer, nur 80 km von Peking entfernt, ist wiederum ein Zeichen für den Bienenfleiß der Menschen. China ist ein so ausgedehntes Land, dass man eigentlich Jahre dort zubringen müßte, um es voll zu erfassen. Seit der Öffnung auch für Einzelreisende strömen Heerscharen ins Reich der Mitte. Und jeder, der einmal hineingeschmeckt hat, möchte wiederkommen und mehr sehen und erleben.

Wer Indien sah und dann durch das disziplinierte, verhältnismäßig saubere China reist, kann häufig genug den Unterschied zwischen den beiden Nachbarn nicht fassen. Dort wimmeln um jede Frau Kinderscharen, hier die gesetzlich gebotene Einkindehe. Die Chinesen, nüchterner und systematischer veranlagt, bauten innerhalb weniger Jahre aus dem Chaos ein funktionierendes Gemeinwesen auf. Die Inder - aber dies ist nicht der Platz für dererlei Betrachtungen.

Korea hat in seiner leidgeprüften Geschichte häufig genug als Puffer zwischen Japan und China gedient und ist daher von beiden Kulturen beeinflusst. Allerdings wird für den Außenstehenden der Unterschied nicht so deutlich; denn gerade der Buddhismus, der dem gesamten ostasiatischen Raum entscheidende Impulse gab, zieht sich über alle diese Länder hin, wenn auch in der stark abgewandelten Form des "Großen Wagens".

Japan, am weitesten vom Entstehungsortdes Buddhismus entfernt, huldigt ihm dennoch, aber gleichermaßen der Naturreligion des Shintoismus. Ihm sind Tempel zu verdanken, die in vollendeter Harmonie mit der sie umgebenden Natur stehen. Japan ist eins der irrationalsten Länder überhaupt: Da kommt der Topmanager hastig in den Shintoschrein gerannt und richtet schnell ein paar Gebete an eine heilige Wurzel - anschließend fällt er mit kühler Rationalität Entscheidungen über die weltweite Marktstrategie eines neuen Computers. Die Japaner haben offenbar das Kunststück fertiggebracht, alte Traditionen neben modernsten Technologien bestehen zu lassen - ein hochinteressantes (und sehr teures) Reiseland, allerdings irgendwo zu perfekt, um die Faszination z.B. Indiens ausüben zu können.

Auch die beiden anderen großen Inselstaaten, Indonesien und Philippinen, üben große Faszination aus, sowohl von der Landschaft als auch von den gesellschaftlichen Strukturen der Bewohner. Nicht unerwähnt sollte Bali als eine Ausnahme-Insel im indonesischen Insel-Reigen bleiben. Die Touristenmassen scheinen der von der Relegion her hinduistischen Insel viel von ihrem vielgerühmten Charme genommen zu haben. Wer den Kommerz scheut, wird Enttäuschungen selbst in abgelegeneren Gebieten erleben.

2.2 Australien

Was gibt es schon Interessantes in Australien und Neuseeland, könnte man etwas arrogant fragen. Zweifellos reizt diese Gegend der Welt nicht gerade durch fremde Kultur - vielleicht eher dadurch, dass dort Biertrinken vor Kultur und Religion in der Rangliste steht. Trotzdem würden wir gern wieder in Australien und noch viel lieber in Neuseeland herumreisen. Australien besticht durch seine weite Leere. Nur 16 Millionen Menschen leben auf einem ganzen, wenn auch kleinen Kontinent. Riesige Entfernungen liegen manchmal zwischen den Siedlungen, es dauert Stunden, bis man mal wieder einen Menschen trifft, es kann Tage dauern, bis sich der Landschaftscharakter ändert.

Australien ist ein Land von seltener Uniformität: Der überwiegende Teil des Landes ist flach, Buschland, Steppe oder zum geringeren Teil Wüste; tagelang keine neuen Eindrücke beim Reisen. Fast in der Mitte des Kontinents liegt als eine der seltenen Abwechslungen ein einsamer, riesiger Felsen namens Ayers Rock im flachen Land herum, der den Ureinwohnern - Aboriginals - heilig und der Tourismus-Industrie sehr willkommen ist. Die Aboriginals sind einsame Menschen in ihrem eigenen Land, von den Weißen verachtet und unverstanden, in die letzten Winkel zurückgedrängt.

Nur an der Ostküste Australiens türmen sich ein paar Gebirsgzüge auf, aber kaum berauschend in Anblick und Erlebnis. Uniformität gilt sogar auch als Prinzip der Architektur: besonders auf dem Land und in den endlosen Vorstädten gleicht stereotyp ein Haus dem anderen. Völlig einsamer Höhepunkt ist dagegen das Opernhaus in Sidney, das wir als das großartigste Gebäude moderner Architektur beurteilen. Außer der großen Uniformität, die in eine Art landschaftliche Melancholie einfließen kann, bietet dieses Land dem Sportbegeisterten jede nur denkbare Möglichkeit zwischen Golf, Hochseefischen, Segeln und Surfen.

Eine großartige, phantastische und noch dazu dünnbesiedelte Landschaft erwartet dagegen den Besucher in Neuseeland. Kristallklare Seen und Flüsse, aus denen man trinken kann, begleiten den Wanderer auf all seinen Wegen. Spektakuläre, alpine Landschaften mit Gletschern, engen Schluchten und grünen Tälern bietet die Südinsel, vom Eindruck her lieblicher ist die Nordinsel. Auf Neuseeland sollte man viel wandern, jedenfalls der Natur so nahe wie möglich sein.

2.3 Lateinamerika

Zwischen Australien und den Amerikas liegt Polynesien, das riesige Pazifikgebiet mit stecknadelkopfgroßen Punkten, die sich bei näherem Betrachten als Inseln oder kleine Atolle erweisen. Diese Gegend der Welt muß ihren ganz eigenen Reiz haben - wir kennen ihn leider nicht.

Lateinamerika haben die Spanier und Portugiesen kolonisiert und zerstört. In Südamerika zerschlugen sie die blühende, sehr hoch stehende Kultur der Inkas, in Mexico/Guatemala die der Azteken und Mayas. Sie leisteten ganze Arbeit, von der Kultur der Ureinwohnern blieb nicht viel übrig.

Doch verweilen wir noch in Südamerika. Für den Besucher am interessantesten ist zweifelsohne Peru, das Stammland der Inka. In den Museen von Lima kann man bestaunen, welchen Stand der Inkastaat erreicht hatte. Aber auch in Cusco sieht man noch Spuren der Inka- Architektur, oder vielmehr das, was christliche Fanatiker davon übrig ließen. Weitgehend erhalten ist die ehemalige, landschaftlich ungeheuer beeindruckend gelegene Inkafestung Machu Picchu, ein paar Eisenbahn-Stunden von Cusco entfernt.

Hier im Hochandengebiet leben die Nachfahren der Inka - fast wie vor Jahrhunderten. Die Bauern, die Campesinos, schuften mit stoischer Gelassenheit Tag und Nacht, um sich meist gerade eben am Leben erhalten zu können. Sie sehen auf den ersten Blick etwas verschlossen und abweisend aus, diese eigentlichen Besitzer Südamerikas. Aber wenn man mit ihnen nähere Bekanntschaft schließt, erfährt man sehr viel menschliche Wärme und Herzlichkeit. Uns ist die Aufnahme gerade in abgelegenen Dörfern unvergeßlich geblieben. Doch sollte man heutzutage abgelegene Dörfer meiden, denn die Guerilla-Truppe "Leuchtender Pfad" stürzt das Land mehr und mehr ins Chaos, so ist besonders das Hochandengebiet mit großer Vorsicht zu betrachten.

Die Wirbelsäule Südamerikas sind die Anden, oder eigentlich sind sie Südamerika, denn alles Flachland an ihren Seiten scheint von ihnen abgeschwemmt worden zu sein. Und die Reise durch die schier unaufhörlichen Anden zählt zu einem der großartigsten Landschaftserlebnisse der Erde: von Höhen zwischen 4000 und 6000 m scheinen sie im Westen geradezu ins Meer zu stürzen, von einer Küsten-Wüstenebene gesäumt, die sich vom nördlichen Peru bis in mittlere Chile zieht. Reisende auf dem Hochplateau der Anden in Bolivien und Zentralperu erleben bei klarem Wetter berauschende Ausblicke. Schneebedeckte Riesen säumen im Westen und in Osten das sog. Altiplano, glasklare Seen - deren größter der Titicaca ist - liegen zwischen den Gebirgsstöcken.

Auf der Ostseite fallen die Anden nicht weniger steil ab in die Ebenen - Pampas - Argentiniens und Brasiliens. Von der präkolumbianischen Bevölkerung (sofern diese Gebiete überhaupt besiedelt waren) ist nicht mehr viel zu bemerken, die Nachfahren der Südeuropäer geben hier eindeutig den Ton an, gut vermischt mit deutsch.

Argentinien besitzt im Andengebiet einige großartige Naturwunder. Ansonsten ist das Land geschaffen für Riesenfarmen, die den Weltmarkt mit Steaks beliefern. Buenos Aires könnte fast in Italien liegen, so sehr bestimmen die Nachfahren der Italiener das Flair dieser Stadt. Ganz anders sieht die faszinierendste Stadt Südamerikas, Rio de Janeiro, aus. An herrlichen Badestränden gelegen und von steil abfallenden, subtropisch überwucherten Berghängen gesäumt, ist diese Stadt ein brodelnder Hexenkessel vitalen Lebens. Hier haben sich alle Rassen vermischt, von Schwarzafrikanern bis zu dünnhäutigen Nordeuropäern. Herausgekommen sind Leute, deren Temperament im Karneval vollends sichtbar wird.

Brasilien zählt von der Fläche her zu den größten Ländern der Erde. Im Norden werden die ausgedehntesten Regenwaldgebiete der Erde unaufhörlich dezimiert, der Amazonas ist ihre große Lebensader. Das Quellgebiet dieses riesigen Flusses liegt in Ecuador, einem fast gemütlichen kleinen Land auf dem Äquator mit der hübschen Hauptstadt Quito im Hochandengebiet. Es folgt nach Norden Kolumbien, ein traumhaftes Land, von dem der größte Teil im hier schon etwas niedrigeren Andenbereich liegt. Die Berge sind häufig bis zum Gipfel hinauf grün und als Farmland genutzt, dennoch windet sich die durch den Kontinent ziehende Straße Transamericana auf 2000 bis 3000 m hinauf, um sich nur wenig später wieder ins nächste Tal auf fast Meereshöhe hinunterzuschrauben.

Venezuela ist durch seinen Ölreichtum wirtschaftlich besser gestellt als Kolumbien, auch landschaftlich seinem Nachbarn ziemlich verwandt, dennoch bleibt Kolumbien einzigartig, da landschaftlich so reichhaltig in diesem Kontinent. Kolumbien hat von der Wüste bis zum fast Schneesechstausender einfach alles. Die Guayna-Staaten liegen etwas außerhalb der üblichen Globetrotter-Routen, sie sind von tropischem Regenwald überwuchert und relativ wenig erschlossen. Anders steht es mit der Kette der Karibik-Inseln, von denen einige zumindest Badetouristik- Schwerpunkte bilden.

Vielleicht an dieser Stelle ein Tipp: In Venezulea soll man als Ausländer ohne dortigen Wohnsitz ein Fahrzeug kaufen und zulassen können, man spart dann die teure Verschiffung.

Auch die zentralamerikanischen Staaten hängen an der Fortsetzung der Andenkette. Auf den meist recht hohen Gebirgszügen siedelten bevorzugt die europäischen Kolonisatoren und errichteten auch die Hauptstädte dort. Alle diese Länder sind landschaftlich sehr reizvoll. Am schönsten empfanden wir Costa Rica, aber auch die anderen Staaten stehen diesem Eindruck kaum nach. In Guatemala stößt man auf präkolumbianische Kultur; die aus ihrem Dornröschenschlaf mittem im Dschungel erweckten Ruinen von Tikal sind sehr eindrucksvoll.

Von dort ist es nur ein Katzensprung zur mexikanischen Halbinsel Yucatan. Glasklares, tiefblaues Meer säumt die südöstliche Küste, kein Wunder, daß Touristen in Scharen hier einfallen. Aber Yukatan war auch die Hochburg der Maya, die hier bestaunenswerte Tempelanlagen hinterließen, z. B. Chizen-Itza, Uxmal u.a. Das zentrale Hochland von Mexiko, einstmals von den kriegerischen Azteken beherrscht, hat schon arg steppenartigen Charakter, zumindest ist von tropischem Überfluss nichts mehr zu spüren. Mexico City ist eine ungeheuer pulsierende Stadt, eine der schillerndsten Lateinamerikas. Die Vergangenheit der indianischen Bevölkerung konnte nicht vollends ausgelöscht werden, in der modernen Kunst wird sie zumindest wieder wach. Diese Stadt muss man eine Weile erleben, muss sich aber auch mit dem tragischen Niedergang des Aztekenreiches auseinandersetzen und darf dabei die historischen Hinterlassenschaften in und um Mexico City nicht auslassen.

2.4 Nordamerika

USA und Kanada zählen zu den stinknormalen Reiseländern, da gibt es kaum Überraschungen mit Verkehrsverbindungen, keine uns fremde Kultur etc. Was also könnte uns in die Hochburg des Kapitalismus locken? Vielleicht gerade das: z.B. Wolkenkratzerstädte wie New York, Chicago oder Los Angeles; Disneyland und Raketen-Bahnhof, endlose Highways durch endloses Farmgelände.

Die Amerikaner selbst sind hilfsbereit und zu einer schnellen Freundschaft oder gar Gastfreundschaft aufgelegt. Für den Traveller ist das Vorwärtskommen problemlos, sei es mit Billigangeboten der vielen Airlines oder per Bus (Greyhound fährt fast überall hin) oder mit billigen Mietwagen. Beliebt sind auch Secondhand-Autos, die man am Ende der Reise wieder abstößt.

In den Rocky Mountains liegen die phantastischen, wirklich spektakulären National-Parks wie Grand Canyon, Monument Valley, Death Valley, Yosemity und wie sie alle heißen. Nicht zu vergessen der Yellowstone Park, den die Amerikaner bereits im vorigen Jahrhundert zum Nationalpark erklärten und dabei die Idee der vor dem Menschen geschützten Natur erfanden. Diese Parks hegen und pflegen sie mit einer Liebe und Sorgfalt, wie sie bei uns in Europa kaum anzutreffen ist.

Wer Landschaft in ihrer grandiosen, überwältigenden Form erleben will, der muß diese Gegend besuchen. Das Angenehme daran ist, dass jede der Naturschönheiten so erschlossen wurde, dass sie selbst dem Fußkrüppel leicht zugänglich ist - in anderen Gegenden der Welt muss man tagelang trecken, hier kann man mit dem Auto bis an den Rand des Grand Canyon fahren.

Landschaftlich ebenfalls sehr schön sind Kanada und auch Alaska. Außer der Umgebung der Niagara Fälle kennen wir von Kanada nichts und können nicht mitreden. Aber noch ein Wort zu Niagara: das ist ein Platz, an dem bereits frühzeitig jeder einzelne Wasserstrahl, ja Tropfen touristisch genutzt und kommerzialisiert wurde - dieses Schauspiel ist neben dem des gewaltigen Wasserfalls betrachtenswert.

Zum Schluss dieses Kapitels ein paar Worte über New York. Wir hatten das Glück, ein Vierteljahr in dieser irren Stadt zu leben. Und wenn wir die Gelegenheit hätten, wir würden sofort wieder und für länger dorthin gehen. Warum? Es gibt wohl kaum eine Stelle auf der Erde, auf der sich so viele Rassen auf so engem Raum zusammendrängen und zum Teil auch vermischt haben. Daher rührt eine ungeheure Toleranz dem Anders-Aussehenden, dem Anders-Denkenden gegenüber. Nirgendwo sonst könnten so gegensätzliche Strömungen nebeneinander existieren, sei es in der Kunst, Kultur oder im täglichen Leben. New York wird nie müde, irgendwo ist immer etwas los, NY regeneriert sich unentwegt selbst - ein irrer Platz, unter anderem auch für Irre.

2.5 Afrika

Betrachten wir Afrika von Nord nach Süd: eine schmale Randzone am Mittelmeer ist seit alters her besiedelt, das ägyptische Niltal zählt zu den ältesten Kulturräumen der Menschheit. Dann folgt der große Riegel der Sahara und der Süden gehört den Schwarzafrikanern, die aus den Tropen entwachsen zu sein scheinen und von ihrer ganzen Mentalität her für diese Gegend geschaffen sind.

Westafrika besteht größtenteils aus der trockenen Steppenlandschaft des Sahel und ist erst dicht am Atlantik fruchtbar. Der wirklich tropische Einfluss bricht in Ostafrika voll durch und läuft allmählich nach Süden aus. Dies sind die Gebiete der großen Wildparks, die weltweit nicht ihresgleichen haben. Südafrika schließlich ist landschaftlich sehr schön und schlägt sich mit seinen hausgemachten politischen Problemen herum.

An Afrika hat uns zweierlei ungeheuer fasziniert: die Durchquerung der größten Wüstenfläche der Erde und das plötzliche Eindringen in scheinbaren Überfluss der Natur im subtropischen Bereich. Dieser Wechsel vom völligen Nichts ins totale Alles kam - obwohl sich über hunderte Kilometer hinziehend - so überraschend, dass er lange nicht so recht fassbar war.

Das zweite großartige Erlebnis waren die Menschen. Und zwar dort, wo sie noch in ihrer althergebrachten Lebensgemeinschaft des kleinen Dorfes oder Krals leben, dort sind die Schwarzafrikaner fröhlich, freundlich, herzlich, offenherzig wie unverdorbene Kinder. Sie leben um des Erlebnisses Leben willen. Ihre täglichen Arbeiten verrichten sie eher locker und fröhlich, nicht so sehr mit dem verbissenen Ernst rationaler Erwägungen. Bestimmend ist eher die emotionale Triebkraft, nicht so sehr nüchtern-rationales Kalkül. Wir haben weltweit nicht annähernd so einfach-glückliche, so unkomplizierte Menschen getroffen wie in schwarzafrikanischen Dörfern. Doch soll diese Schilderung einer, noch ein wenig heilen Welt nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den Ballungsgebieten und großen Städten die ethnischen und sozialen Probleme voll aufeinanderprallen.

Neben der Wüstenlandschaft der Sahara bietet Afrika nicht so Großartig-Berauschendes wie z.B. die Andenkette. Von der kulturhistorischen Seite liegen die wirklichen Attraktionen nördlich der Sahara. Höhepunkt ist sicherlich Ägypten, aber auch die anderen Länder der Mittelmeerküste haben reiche Vergangenheit und ein eigenes, sehr orientalisches Heute. Südlich der Sahara existierten nur selten und nur wenige größere Staaten, die typische Organisationseinheit vor der Kolonisierung war das räumlich eng begrenzte Stammesgebiet. Einige Stämme waren und sind künstlerisch sehr begabt und brachten z.B. kunstvolle Masken und Amulette hervor.

Betrachtet man also die Erde mit des Globetrotters Augen, dann bietet Asien die fremdartigste Kultur und die großen, neben dem Christentum stehenden Religionen. Asien ist der schillerndste Kontinent überhaupt, der zur Auseinandersetzung mit seinen unterschiedlichen Lebensformen herausfordert.

Australien, der dünnbesiedelteste Kontinent mit viel Platz und guten Sportmöglichkeiten, ist flach und ein wenig arg uniform.

Die Höhepunkte der beiden Amerikas liegen hauptsächlich in grandioser Gebirgslandschaft "zum Anfassen", daneben in den Resten präkolumbianischer Kulturen und dem Industrie-Koloss USA.

Afrika hat Wüste anzubieten, im Norden Ägypten als Stammplatz auch unserer eigenen Kultur, im Süden freundlich-fröhliche Menschen inmitten tropischer Vegetation. Außerdem ist Afrika der Kontinent der Tierparks.



3.1 Camping ohne Campingplatz
Den Luxus von Campingpläzen leistet sich nur unsere Welt, in der Dritten finden Sie solche Annehmlichkeiten nur ganz selten. Für den Camper stellt sich die Frage: wo übernachten? Zwei grundsätzliche Möglichkeiten bieten sich an. Entweder man verbringt die Nacht in einsamer Wildnis, wo normalerweise Räuber mangels Markt nicht vorbeikommen. Oder man parkt in belebten Gegenden in der Hoffnung, dass dort die Räuber vom Betrieb auf der Straße verschreckt werden (deswegen z.B. unter einer Laterne, damit jeder gesehen werden kann, der sich an Ihrem Auto zu schaffen macht). Dort ist es immer laut. Trotzdem zogen wir meist derartige Plätze vor, weil wir uns mehr Gedanken um den Zufallsräuber machten, der uns in der Wildnis entdecken könnte.

In Pakistan und Indien übernachtet man gegen Gebühr auf dem Gelände der staatlichen Resthouses, die in jedem größeren Dorf zu finden sind. In Thailand liebten wir Schutz und Stimmung buddhistischer Klöster. In anderen Ländern schliefen wir sehr oft bei Tankstellen, auf Hotelparkplätzen, Flughafenparkplätzen, in der Nähe von Kasernen, Polizei- und ähnlichen Dienststellen, vor Kirchen und in touristischen Zentren. Wir bevorzugten kleine Dörfer, wo wir auf dem Dorfplatz parkten und häufig sehr guten Kontakt zu den Bewohnern fanden. In Wüstengegenden wie z.B. Ägypten gehen wir in die Wüste abseits von Pisten.

In Städten (selbst in New York) parkten wir auf einsamen Straßen, in die wir aber erst kurz vor dem Schlafengehen und mit bereits im Wohntrakt verhangenen Fenstern fuhren; auf großen Hotelparkplätzen fällt dann zur Not auch nicht auf, dass der Gast kein Zimmer hat.

Meiden Sie Betten von Trockenflüssen für’s Camping. Es könnte weit entfernt in Sturzbächen geregnet haben, die Flutwelle käme lautlos. Der alte Spruch, dass in der Sahara mehr Leute ertrunken als verdurstet sind, kommt nicht von ungefähr.

Grundsätzlich parken wir nachts mit steckendem Zündschlüssel und so, dass wir im Notfall ohne Rangieren sofort die Flucht ergreifen könnten. Denn immer wieder hört man von Überfällen, bei denen die Überfallenen sich selbst durch ungeschicktes Parken den Fluchtweg verstellt hatten.


3.2 Ernährung unterwegs
Am Besten Sie vergessen die gewohnte europäische Kost und lassen sich von fremden Märkten inspirieren. Das Angebot an Gemüse und Obst ist im allgemeinen mehr als ausreichend, wenn Sie den Mut zum Experimentieren haben und sich Anregungen aus der Küche des Gastlandes holen. Mit Frischfleisch wird es schon etwas schwieriger. Häufig bekommt man es nicht, und wenn, dann entspricht es manchmal nicht den qualitativen oder hygienischen Minimal- Anforderungen. In diesen Fällen können Sie sich entweder mit Meerestieren behelfen, oder aus Eiern (die fast immer und überall erhältlich sind) abwechslungsreiche und schmackhafte Gerichte bereiten, so das Sie durchaus einige Wochen vegetarisch leben können.

Grundsätzlich gilt die Regel, sich in den Großstädten, die immer ein reiches Angebot an allen notwendigen Lebensmittel bieten, mit den notwendigen Erzeugnissen einzudecken. Deutsche Vertretungen sind in der Lage, einschlägige Einkaufsquellen an Ort und Stelle zu nennen, auch wenn diesbezügliche Auskünfte, wie so viele andere auch, meist nur ungern gegeben werden. Häufig erfährt man schon tausende Kilometer im Voraus von anderen Reisekollegen, wo gute Geschäfte zu finden sind oder, in Lateinamerika hauptsächlich, den Weg in eine deutsche Bäckerei.

Natürlich werden Sie nicht immer selbst kochen. Probieren Sie die einheimische Küche an Ort und Stelle, sie ist dort immer am besten. Auf dem indischen Subkontinent waren wir etwas vorsichtig bei der Auswahl von Restaurants, bevorzugten aber meist die vegetarische Küche, weil sie nirgends in der Welt besser ist als im Land mit den meisten Vegetariern. In Südostasien haben wir auch in sehr einfachen Pinten gegessen, ebenso in den meisten lateinamerikanischen Ländern. Die mit Abstand für uns beste Küche entdeckten wir übrigens in Thailand.

3.3 Geldwechsel
Es gibt den offiziellen Weg über Banken oder Wechselstuben oder aber den Schwarzmarkt. Grundsätzlich gilt: je härter ein Land den freien Devisenmarkt einschränkt, umso günstiger ist der Schwarzmarktkurs. Allerdings sollte man sich umgekehrt Gedanken darüber machen, dass die Ursache der Devisenbeschränkung immer im Wohlstandsgefälle zwischen den Industriestaaten und der Dritten Welt liegt. Mit dem schwarzen Devisentausch schadet man zwar "nur" einer anonymen Bürokratie, letztendlich trifft man dennoch den kleinen Mann auf der Straße. Unsere Einstellung zu diesem Problem hat sich daher in den letzten Jahren sehr geändert: das, was wir früher als Sport betrachteten, sehen wir heute als Negativhandlung.

Das Tauschen auf dem Schwarzmarkt ist natürlich immer mit dem Risiko verbunden, von Dieben übers Ohr gehauen oder gar ausgeraubt zu werden oder den staatlichen Fahndern in die Arme zu laufen. Ob das Risiko den Nutzen übersteigt, muss jeder selbst wissen, siehe oben. Tauschen Sie nach Möglichkeit nie mehr Geld als Sie in einem Land verbrauchen werden, der Rücktausch von überflüssiger Landeswährung in harte Devisen ist immer mit Verlusten verbunden. Heben Sie sich stets ein paar Ein-Dollar-Noten auf, falls Sie beim Grenzübergang noch unerwartete Gebühren zahlen müssen oder dem Zöllner eine besondere Freude machen wollen oder müssen.


3.4 Feiertage im Ausland
So willkommen Feiertage zu Hause auch sind, unterwegs schaffen sie meist Verdruss. Behörden, von denen man ein Visum oder den Erlaubnisschein für eine Besichtigung braucht, sind geschlossen, Geschäfte öffnen nur einige Stunden.

Der christliche Sonntag ist in den allermeisten nicht-muselmanischen Ländern mehr oder weniger gesetzlicher Feiertag. Strenge muselmanische Länder halten ganz strikte Ruhe am Freitag, während ehemals von den Engländern abhängige Länder wie z.B. Pakistan beide Feiertage achten, zumeist die staatlichen Stellen den Sonntag, während private Geschäfte etc. am Freitag geschlossen sind. Fast immer passiert es, dass die Butter genau am Freitag ausgeht und man in der Hauptstadt am Sonntag ankommt, wenn die Behörden geschlossen haben.

In ärgere Zeitbedrängnis mag kommen, wer in große Feiertage gerät wie Neujahr (das je nach Glaubensbekenntnis auf die unterschiedlichsten Tage zwischen November und März fallen kann) oder in muselmanischen Ländern in das Ende der Fastenzeit. Derartige Feste können sich über viele Tage hinziehen; Freunde von uns saßen bei einer solchen Gelegenheit eine Woche lang auf der Hebebühne einer Werkstatt fest - es gibt bessere Plätze für eine Pause.

Der Versuch, hier eine Liste der üblichen Feiertage pro Land aufzustellen, scheiterte beim ersten Anlauf. Die meisten der lokalen Feste hängen vom Mondkalender oder gar den Orakelsprüchen der Astrologen ab. Für längere Reisen in einem Land empfiehlt es sich, bei der Einreise Auskünfte zu holen. Spätestens die deutsche Botschaft wird die Feste genauestens kennen; die Herren Diplomaten finden genug Vorwände, alle ortsüblichen und zusätzlich sämtliche in Deutschland zelebrierten Feiertage mitzunehmen.

3.5 Waschtag wie bei Großmutter
Das Problem der schmutzigen Wäsche lässt sich mit verschiedenen Methoden lösen. Man sammelt solange - sofern der Vorrat reicht - bis man zur nächsten Reinigungsanstalt kommt. Dort versucht der Vorsichtige herauszufinden, in welchem der Flüsse der Stadt die Wäsche landet; eventuell verschiebt er dann das Vorhaben auf die nächste Gelegenheit. Hat man sich zur Abgabe der Wäsche entschlossen, erscheint noch eine Überprüfung des Markierungsverfahrens angebracht. Wir erlebten mehr als einmal, dass unsere Wäsche mit unlöslicher Tusche genau dort gezeichnet wurde, wo man es auch beim Tragen sah.

Außerdem ist zu beachten, dass indische Profis sehr häufig die Wäsche auf Steine oder Holzplatten schlagen oder mit Knüppeln bearbeiten: das überstehen nicht alle Knöpfe.

Einfacher ist es, einen dicht verschließbaren Eimer mit Wäsche, Wasser und Waschmittel zu füllen, ihn möglichst auf dem Dachständer zu befestigen und dann einen Tag lang spazierenzufahren. Das Geschaukel auf schlechten Straßen wirkt ein wenig wie die heimische Waschmaschine; und wenn die Sonne kräftig scheint, arbeitet die Maschine mit warmem Wasser. Zum Trocknen spannten wir häufig Leinen quer durchs Auto, nach kurzer Zeit hatte der Fahrtwind den Job erledigt.

Die dritte Möglichkeit ist, auf Einladungen freundlicher Leute zu warten, die eine Waschmaschine besitzen. Im ungünstigsten Fall muss man an einem klaren Bach halten und tatsächlich einen mühseligen Hand-Waschtag einlegen.

3.6 Ungeziefer
Eine einzige Mücke kann Sie eine ganze Nacht wachhalten, sobald Sie Licht machen, verschwindet das Luder. In der Dunkelheit startet sie erneut ihre Angriffe, mit nerventötendem Tieffliegergeheul. Es helfen wirklich nur Moskitonetze.

Es gibt zeltartige Konstruktionen, die im Auto erstickend wirken, weil sie die ohnehin mäßige Luftzirkulation weiter verringern. Besser ist es, den Schlaftrakt des Wagens mit einem Moskitonetz abzutrennen. Aber suchen Sie nach jeder kleinsten Lücke, die Viecher kriechen überall durch.

Einreibemittel gegen Insekten halten nur wenige Stunden an, Insektensprays bergen gesundheitliche Gefahren auch für den Menschen, eine Fliegenklatsche dagegen hilft Aggressionen abzubauen. In verschiedenen Ländern gibt es eine Art Räucherstäbchen in Spiralform, dessen Rauch Mücken davontreiben soll - wenn der Rauch so stark ist, dass die Mücken die Flucht ergreifen, dann läuft auch der Anwender davon.

Mehrere Male wanderten Ameisen bei uns ein. Eine Nacht im hohen Gras kann bereits die Brücken für Gäste schaffen, die sich sehr schnell vermehren. Sie sind allerdings mit den üblichen Sprays, z.B. Shelltox, zu vernichten. Bei anderer Gelegenheit - als wir den Wagen ein paar Tage allein ließen - fand eine Maus Zuflucht in unseren Vorräten. Zum Glück verließ sie uns bald wieder; wir erinnerten uns der Geschichte eines allein reisenden VW-Bus-Globetrotters, der in Indien mehrere Wochen Mause-Gesellschaft hatte, die er trotz Mausefallen und allen erdenklichen Mühen nicht los wurde.

Wenn wir in billigen Hotels nächtigten, handelten wir uns mehrere Male Flöhe ein. Die wird man entweder durch Leiden oder intensive Suche mit komplettem Wäschewechsel, sofortigem Duschen oder Baden und Wäschewaschen los. Im Übrigen können Flöhe auch jederzeit im dichten Menschengedränge umsteigen.

3.7 Gefahren am Wegesrand
Wir erlebten einen Krieg, zwei Erdbeben und einen Wirbelsturm. Wir glauben, dass all diese Gefahren viel geringer für den Reisenden zu veranschlagen sind als die Verkehrsgefahren, die ihn im selben Zeitraum auf Deutschlands Straßen bedrohen würden.

Generell gilt, dass man lieber Gefahren aus dem Weg gehen sollte, als den Helden zu spielen. Lieber bei Demonstrationen einen riesigen Umweg fahren oder umkehren und an sicherer Stelle eine erholsame Pause einlegen, als sich einen Weg erzwingen durch den Demonstrationszug - und dann als willkommenes Aggressionsobjekt wirken. An brennenden Autos ergötzen sich weltweit Demonstranten; und es gibt Länder, in denen ist die Freude noch größer, wenn die Auto-Insassen mitbrennen.

Gerät man unversehens in einen Krieg, dann sollte man sich peinlichst genau an alle Regeln des Ausnahmezustandes halten. Ein Beispiel (verständlicher) Hysterie: Weil während des indisch- pakistanischen Krieges strikte Verdunkelung angeordnet war, regten sich Inder bei einem Reisekollegen ganz furchtbar über die sichtbare Glut einer im Freien gerauchten Zigarette auf.

Erdbeben sind für den Camper recht ungefährlich, wenn sich nicht gerade ein Spalt in der Straße öffnet oder wenn Haustrümmer herumfliegen. Das Auto schaukelt vielleicht etwas unsanft.

Wirbelstürme rücken dem Camper schon mehr zuleibe. Aber man muß wirklich Pech haben, wenn man den Weg eines Hurricans kreuzt. Trotzdem hörten wir in gefährdeten Gebieten immer genau den Nachrichten zu (BBC berichtet darüber), um eventuell die Flucht einschlagen zu können.

Bergrutsche finden gewöhnlich während der Regenzeit statt. Regenzeiten lassen sich bei einer langen Reise nicht vermeiden. Wir haben am Ende der Regenzeit in Südamerika unzählige Stellen passiert, an denen die Straße verschüttet war, aber niemals hat uns auch nur ein Stein getroffen.

Die fast panische Angst vor Schlangen, Spinnen und Skorpionen sitzt fast allen Bewohnern nördlicher Breiten im Nacken. Dabei haben Schlangen noch mehr Angst vor dem Menschen, sie greifen fast immer nur aus Verteidigung an. Man sollte sich daher angewöhnen, stets mit hörbarem Fußrascheln oder lauten Geräuschen in die Büsche zu gehen, Schlangen verschwinden dann aus Eigenschutz. Skorpione sind offenbar dümmer und träger, sie laufen einem bei der Flucht auch noch aus Versehen unter die Füße. Obwohl wir sogar im Schlafzimmer in unserem Haus in Pakistan Skorpione jagten, hat uns kein einziger gebissen. Vor Spinnen sollte man mehr Respekt haben. In Australien hörten wir von einer Österreicherin, die morgens ihren BH anzog, aber die Spinne darin nicht bemerkte, gebissen wurde und 10 Minuten später starb. Wir gewöhnten uns das Durchsuchen von Kleidungsstücken und von Schuhen an, besonders wenn das Auto länger mit offenen Fenstern unter Bäumen gestanden hatte.

Eine gar nicht seltene Gefahr ist Feuer im Auto, das häufig durch gasbetriebene Geräte ausgelöst wird. Ohne einen wirksamen Feuerlöscher wäre unsere Reise beinahe nach 10 000 km in Dehli zu Ende gewesen; als "gebrannte" Kinder empfehlen wir unbedingt Feuerlöscher. Am besten zwei 2 kg-Pulverlöscher, einen davon im Wohntrakt, den anderen im Fahrerhaus angebracht. Machen Sie sich in einer stillen Stunde mit den wenigen Handgriffen der Benutzung vertraut - in der Panik werden Sie aufgeregt an dem Ding herumfingern und kostbare Zeit verlieren. Benutzte (auch nur sekundenlang) Feuerlöscher müssen von einer Servicestation wieder aufgefüllt werden, weil das Treibmittel entweicht!

3.8 Souvenirs und Geschenke
Es stimmt, dass in den meisten Ländern Souvenirs äußerst preiswert sind. Kaum ein Tourist kann im Orient einem Teppichkauf widerstehen. Man muss aber lange suchen, um einmalige oder außergewöhnliche Stücke zu ergattern. Die nüchterne Wahrheit ist, dass es kaum ein noch so ausgefallenes Stück gibt, das nicht auch in Deutschland zu haben ist; bei manchen Dingen mögen Sie hier erstaunt feststellen, daß Sie dem Feilschen der Händler nicht gewachsen waren und teurer einkauften als Neckermann.

Wenn Sie einen bestimmten maximalen Geldbetrag zum Reisen haben und davon 20 % für Souvenirs ausgeben, dann wird eben die Reise ein ganzes Stück kürzer. Auch handeln Sie sich an der deutschen Grenze Mehrarbeit ein.

Wer Souvenirs nicht pausenlos spazierenfahren will, kann sie auch von zuverlässigen Stellen nach Hause schicken. Der billigere Weg ist meist der Schiffstransport, daher wartet man bis zu einem größeren Hafen, wo derartige Aktionen keinerlei Sensation bedeuten. Luftfracht ist natürlich schneller und meist auch sicherer.

Vielleicht können Sie sich auch mit anderen Reisenden zu einer gemeinsamen Kiste zusammentun. Manchmal haben auch nach Deutschland zurückkehrende Diplomaten oder Geschäftsleute noch Platz für ein Paket im Umzugsgut.

Umgekehrt hat man unterwegs manchmal den Wunsch, einem Einheimischen für eine Einladung oder sonst ein Entgegenkommen eine Freude zu machen. Dann zum nächsten Markt gehen und ein in unseren Augen hübsches Souvenir kaufen und dem guten Mann schenken, da wird er u.U. etwas mitleidig schauen.

Man sollte vor der Reise bereits Gastgeschenke besorgen, denn die Freude des Beschenkten ist über ein Produkt aus der Heimat des Gastes sehr viel größer als über irgendeine lokal erworbene Sache. Außerdem sollte das Geschenk auch irgendwie nützlich und leicht transportierbar sein. Betrachten Sie die folgende Auflistung als Beispielsammlung:

Kugelschreiber, Malstifte, Luftballons, sinnvolles Spielzeug, Bonbons etc. eignen sich für Kinder. Mit gebrauchter Kleidung kann man häufig jemandem einen Gefallen tun oder mit Verbandszeug, Heftpflaster, Vitamintabletten, Seife, Teebeuteln und Würfelzucker, Einwegfeuerzeugen, Postkarten mit der heimatlichen Fußballmannschaft oder von der Heimatstadt des Besuchers, Briefmarken, T-Shirts mit heimischem Aufdruck, Taschenmesser, Taschenspiegel, Sonnenbrille, Nähnadelpäckchen, Taschenrechner, Transistorradios oder gar Kasettenspieler. Bei Einladungen, bei denen durch Gastgeschenke die Aufwendungen des Gastgebers nicht kompensiert werden können, sollte man dies durch äquivalente Geldgeschenke tun, die für die Kinder des Gastgebers bestimmt sind; damit verliert keiner der Beteiligten Gesicht.



Das schlimmste Erlebnis unserer Reise war die Rückkehr nach Deutschland. Im Spiegel des Heimatlandes erkennen Sie plötzlich, wie sehr Sie sich verändert haben. Ihre alte Umgebung verharrte im eingefahrenen Geleise, es gab keine tiefgreifenden Änderungen.

Sie hingegen waren vogelfrei, jedem Angriff preisgegeben. Sie lebten täglich äußerst aktiv, mit geschärften Sinnen, wachem Verstand, 24 Stunden am Tag herausgefordert. So kommen Sie zurück, hellwach und voller innerer Spannung. Aber dann trifft Sie die Mittelmäßigkeit des industrialisierten Alltags. Ihren Nerven fehlt plötzlich die tägliche Portion Reiz, weil hier das Risiko gleichermaßen verteilt, reglementiert ist. Diese Erfahrung tut weh.

Die große Frage stellt sich meist sofort: welcher Arbeitgeber honoriert Allgemein- und Persönlichkeitsbildung, die Sie unterwegs erwarben. Das Gegenteil scheint eher der Fall zu sein. Jedoch, wenn Sie Motive und Erfolg Ihrer Reise richtig darstellen, stoßen Sie bei erstaunlich vielen Leuten auf Verständnis.

Über ein publizistisches "recycling" Ihrer Reise-Investitionen sollten Sie sich vor falschen Illusionen bewahren. Der Markt ist übervoll, es gibt sogar von dem langweiligsten Winkel der Erde Meisterfotos. Als Sensation können Sie höchstens noch eine Besichtigungsfahrt durchs russische Atomforschungszentrum verkaufen.

Ein Tip zum Schluss. Wenn Sie schon nach Deutschland zurückkehren müssen, so legen Sie Ihre Ankunft in den Sommer. In all dem Unglück auch noch kalten Dauernieselregen ertragen zu müssen - wie es uns im November/Dezember passierte - das geht bis hart an die Grenze der Belastungsfähigkeit.


 

 

 

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